Zweiter Workshop zur Riemer-Sammlung

Unter dieser überschrift veröffentlichte das Stadtmagazin INGO im Februar 2015 folgenden Artikel:

Vom Freundeskreis der Riemer-Sammlung erhielten wir diese beiden Informationen.

Im November 2014 hatte der Freundeskreis der Riemer-Sammlung gemeinsam mit den Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen zu einem bereits länger geplanten zweiten Workshop zu den Perspektiven der Riemer-Sammlung für Ausstellung, Forschung und Bildung geladen, um zwei Jahre nach einem erfolgreichen ersten Workshop eine Bilanz der bisherigen Diskussionen und Planungen um die Sammlung zu ziehen. Geladen waren neben Vertretern von Stadt und Stadtrat Fachleute aus Museen mit ethnologischem oder naturkundlichem Schwerpunkt sowie Vertreter benachbarter Wittenberger Vereine.

Von vielen Teilnehmern wurde kritisiert, dass die kommende Ausstellung der ethnologischen und naturkundlichen Sammlungen im Zeughaus in Angriff genommen wurde, ohne sich vorher einen wirklichen überblick über die Bestände zu machen. In diesem Zusammenhang wurde die Notwendigkeit einer Inventur der Sammlung betont, zumal in den Städtischen Sammlungen selbst, wie sich herausstellte, die auch nur ungefähre Größe der Bestände nicht bekannt ist. Darüber hinaus wird die Ausstellung bis heute nahezu ohne Beteiligung von Fachleuten aus Natur- und Völkerkunde geplant: Obwohl der Etat der Städtischen Sammlungen (mit Ratsarchiv) höher ist als der mancher und selbst großer Fachmuseen, ist es bisher nicht dazu gekommen, dort auch nur einen einzigen wissenschaftlichen Mitarbeiter zu beschäftigen.

Lobi-StatueDie Verwendunq weniqstens eines Bruchteils der vorhandenen, erheblichen Personalmittel zur Beschäftigung wissenschaftlicher Mitarbeiter gehört zu den alten Forderungen des Freundeskreises.

Das Nebeneinander naturkundlicher und ethnologischer Sammlungen - mit der einzigen völkerkundlichen Ausstellung in ganz Sachsen-Anhalt (!) - bietet die Möglichkeit, die Darstellung globaler Prozesse von Klima- und Kulturwandel, dem Verschwinden von Arten und Kulturen und von Hybridisierungsprozessen in den Zusammenhang des in der Region in einzigartiger Dichte vertretenen Weltkulturerbes einzubetten und das Attraktivitätspotential der Stadt durch interdisziplinäre Perspektiven, etwa durch Berücksichtigung des ethnologischen Themas "Weltreligionen" am Geburtsort der Reformation zu erhöhen.

Das an dieser Stelle inhaltlich bisher nur bruchstückhaft ausgeführte Drehbuch ließe bis zur tatsächlichen Realisierung der Ausstellung noch Zeit und Raum für eine angemessene Anpassung des Gesamtkonzeptes: Aus Sicht des Freundeskreises genügt es nicht, einen Teil der Sammlung im Wesentlichen unbetreut als "Wunderkammer" und "Kuriositätenkabinett" zu präsentieren. Die lebhafte und konstruktive Diskussion zu verschiedenen Aspekten der Sammlung und zur Frage, was die Sammlung für Wittenberg sein kann und soll, hat vor allem ein wichtiges Ergebnis erbracht: In den wesentlichen Fragen denken und argumentieren hier fast alle Seiten in eine ähnliche Richtung. Dieses Ergebnis muss nun für eine wiederbelebte Sammlung, die Ausstellung, Bildung und Forschung verbindet, fruchtbar gemacht werden.

Westafrikanische Skulpturen für die Riemer-Sammlung

Lobi-StatueAuf Vermittlung des Freundeskreises der Riemer-Sammlung könnten bald 40 Statuen von Schnitzern der westafrikanischen Lobi aus einer Berliner Privatsammlung die ethnologische Sammlung der Stadt bereichern.

Die Kunstwerke würden deren afrikanistische Abteilung hervorragend ergänzen und aufwerten: Sie repräsentieren einen beträchtlichen ideellen und materiellen Wert und verbinden sich in großartiger Weise mit einem möglichen Schwerpunkt der ethnologischen Sammlung zu den Weltreligionen, einem Schwerpunkt, der in der Rahmenvereinbarung zwischen der Stadt und den Organisatoren des Reformationsjubiläums eine wichtige Rolle spielt und bei dessen Ausgestaltung die hiesige ethnologische Sammlung einen bedeutenden Beitrag liefern könnte. Der Freundeskreish hofft im übrigen, dass die überlassung der Skulpturen mit einer Sonderausstellung in den nächsten Jahren verbunden werden kann, für die bereits weitere wertvolle Exponate zugesagt wurden. (Fotos:privat)

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Ab ins Museum

STADTGESPRäCH: Agentur Kocmoc präsentiert Ausstellungsgestaltung.

Unter dieser überschrift veröffentlichte die Mitteldeutsche Zeitung am 09.10.2014 folgenden Artikel von Irina Steinmann:

WITTENBERG/MZ -Die Präsentation der Hülle verläuft glatt und zügig und stößt auf Wohlgefallen. Keine halbe Stunde braucht Jan Wünsche von der Leipziger Agentur Kocmoc, um den Wittenbergern darzulegen, wie ihr Stadtmuseum aussehen wird. Unerwartet mau ist aber die Resonanz auf dieses "Stadtgespräch", keine 50 sind am Dienstag zur Infoveranstaltung der Stadt ins Alte Rathaus gekommen - was damit zu tun haben mag, dass der Entwurf parallel im Internet steht.

Die goldenen 18

Wünsches virtueller Rundgang durchs Zeughaus beginnt im Erdgeschoss, das, als erster Ausstellungsbereich, in diesem Jahr eröffnet werden soll. Hier werden die 18 "Kronjuwelen" in so bezifferten und von oben "golden" beleuchteten Vitrinen präsentiert. Eine Trennung zwischen Kassenbereich und Ausstellung soll es nicht geben. Abgetrennt werde aber die Sonderausstellungsfläche. Eine Vitrine ist "Dem besonderen Objekt" vorbehalten, das wechselt und etwa auf eine Sonderschau hinweisen kann.

Das erste Obergeschoss ist, unterteilt in 32 Themenbereiche, der Stadtgeschichte vorbehalten. Mehr als 400 Exponate verdeutlichen hier die Entwicklung Wittenbergs bis heute. Gewagt wird Wünsche zufolge auch ein Ausblick: In einer wechselnden Projektion "2020" sollen Porträtfotos von Wittenbergern übereinandergelegt an die Wand geworfen werden, flankierend werden Bürger nach ihren Zukunftswünschen befragt. Ist die Einrichtung hier eher sachlich, prägen demgegenüber "Fülle und Schönheit" (Wünsche) das zweite Obergeschoss mit Sammler und Sammlung Julius Riemer. 30 "Leitexponate" - beispielsweise ein in einer liegenden Vitrine präsentiertes Krokodil - sind die Hingucker in diesem Ausstellungsteil. Wandvitrinen bündeln Exponate, die in der Masse besonders wirken. Im "Karussell" verzahnen sich die beiden Ausstellungsbereiche Naturkunde und Ethnologie zwecks höherem Erkenntnisgewinn. Schwerpunkte sind Afrika und Ozeanien.

95 Prozent der Exponate stünden inzwischen fest, heißt es seitens der Verantwortlichen. Die anschließende Diskussion beißt sich trotzdem auch an Details fest. Einer stört sich am Begriff "Besatzungsherrschaft" für die Sowjet-Zeit, ein anderer findet "Kronjuwelen" als Name der stadtgeschichtlich besonders wichtigen Objekte "grundsätzlich falsch". Thomas Glaubig, Stadtführer, vermisst bestimmte technische Exponate, ein anderer Zuhörer ein Drittel des Stadtmodells, das in der Tat gen Osten unvollendet ist, aber im Zentrum der "Kronjuwelen" steht. Christel Panzig, Leiterin des "Hauses der Geschichte", moniert die Darstellung der Garnisonsgeschichte. Die Stadtverwaltung hat viel zu notieren, die Fragen würden schriftlich beantwortet, sagt Sprecherin und Moderatorin Karina Austermann.

Politiker vermissen Infos

Grundsätzlich nicht genug über die Inhalte informiert zeigen sich die Stadträte Frank Scheurell (CDU) und Horst Dübner (Linke), der Vorsitzende des Kulturausschusses, sowie der von Anbeginn kritische "Freundeskreis Julius Riemer". Es entspinnt sich ein Hin und Her über die alte Frage, wer wann (nicht) einbezogen war in die Konzeption. Die Stadträte hatten ihr Ja im Januar verknüpft mit der Auflage, dass "regionale Akteure" einbezogen würden. Dies steht offenbar erst bevor. Nach dem 20. Oktober werde es eine "Abwägung" geben, was noch ins Konzept einfließen könne, ohne es zu "zerstören", so Austermann. Der Leipziger Historiker Stefan Paul-Jacobs, der in der Ausstellung vorrangig für die Jahre 1919 bis 1989 zuständig ist, verwahrte sich gegen Kritik, die Ausstellung wäre "im stillen Kämmerlein" ersonnen worden, und verwies auf die Begleitung durch den wissenschaftlichen Beirat.

BüRGERBETEILIGUNG: Hat jemand noch Anregungen?

Bis zum 20. Oktober können Bürger Anmerkungen zum Stadtmuseum machen. Bis dahin findet sich der Entwurf der Agentur Kocmoc auf der Homepage der Stadt (www.wittenberg.de/Aktuelles). Hinweise nimmt Stadt-Sprecherin Karina Austermann entgegen, Tel. 03491/42 12 16, Fax -37, karina. austermann@wittenberg.de.

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Stadtmuseum öffnet später - aber noch 2014

ZEUGHAUS Oktober-Termin lässt sich nicht halten. Stadt bittet zum "Stadtgespräch".

Unter dieser überschrift veröffentlichte die Mitteldeutsche Zeitung am 04.10.2014 folgenden Artikel von Irina Steinmann:

WITTENBERG/MZ - Mit der Eröffnung des neuen Stadtmuseums im Zeughaus wird es nun doch nichts mehr bis zum Reformationsfest. Dies erklärte jetzt die Stadtverwaltung auf Anfrage der MZ. Gründe für die neuerliche Verschiebung wurden nicht genannt. "Noch Ende des Jahres soll die unterste Etage mit ihren Kronjuwelen ihre Pforte für die Besucher öffnen", heißt es nun vielmehr hoffnungsfroh in einer aktuellen Mitteilung. Und/Aber: "Die Vorbereitungen (...) sind in vollem Gange." Noch im Juli war man im Rathaus öffentlich davon ausgegangen, dass der Ausstellungsteil im Erdgeschoss - und nur um diesen geht es hier zunächst - "spätestens zum Reformationstag" eröffnet sein werde, wie Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) damals der MZ sagte.
Ein konkreter Eröffnungstermin könne gegenwärtig noch nicht genannt werden, so Stadt-Sprecherin Karina Austermann. Praktische (Umbau- und Einrichtungs-)Arbeiten vor Ort liefen derzeit noch nicht, räumte sie mit Blick auf die staubige Stille in dem seit vielen Monaten geschlossenen Ausstellungshaus ein, es seien inzwischen aber "alle Aufgaben ausgeschrieben " und man warte nun auf die Rückmeldungen. Im Erdgeschoss sollen bekanntlich die "Kronjuwelen", 18 für die Stadt besonders wichtige und/oder interessante Exponate, präsentiert werden, darunter auch das Stadtmodell, das künftig medial "begehbar" sein wird; hierfür hatten zuletzt so genannte Kamerafahrten durch die Anlage stattgefunden.
Unterdessen geht die Verwaltung jetzt mit den Detailplanungen für die beiden Obergeschosse des Zeughauses an die öffentlichkeit. Am kommenden Dienstag, 7. Oktober, sind diese künftigen Museumsbereiche, die derzeit noch vom Predigerseminar belegt werden (siehe "Schluss am Schloss") Gegenstand der Informations- und Dialogreihe "Stadtgespräch" (18 Uhr, Altes Rathaus). Erwartet wird hierzu erneut Jan Wünsche von der Leipziger Agentur Kocmoc.net, die die Ausstellungsbereiche auf allen drei Ebenen, also auch den der "Kronjuwelen" im Erdgeschoss, der als erster fertig werden soll, nach den Vorstellungen der Wittenberger plant. Im ersten Obergeschoss soll, unterteilt in verschiedene Themenbereiche, die Stadtgeschichte ihren Platz finden. Das zweite Obergeschoss gehört dem Sammler und der Sammlung Julius Riemer, mit einem beleuchteten und sich drehenden "Karussell" aus völkerkundlichen und ethnologischen Exponaten als optischem Höhepunkt (die MZ berichtete mehrfach). Diese beiden Etagen werden nicht vor 2016 fertig sein.
Interessierte Bürger sind dazu aufgerufen, ihre Meinung oder auch Anfragen zu den Entwürfen für das erste und zweite Obergeschoss kundzutun. Die Stadtverwaltung folgt damit einer der Auflagen der politischen Gremien, die sich im Januar mit ihrem Ja zu den Museumsplänen schwergetan und unter anderem mehr Beteiligung lokaler Akteure gefordert hatten.

Die Unterlagen zum Mitreden ("Entwurf Städt. Sammlungen") finden sich hier: www.wittenberg.de/aktuelles.

Schluss am Schloss?

Die beiden Obergeschosse des Museums sind bis auf weiteres Ausweichquartier der Bibliothek des Predigerseminars. Das will im Herbst 2016 seine Arbeit im Schloss aufnehmen, welches derzeit saniert wird. "Wir gehen davon aus, dass das Schloss 2016 in Nutzung geht", sagte am Donnerstag auf Anfrage Stadt-Sprecherin Austermann. Ob es dort aktuell Bauverzögerungen gibt und welche Auswirkungen dies hätte, könne man zur Zeit nicht sagen, verweist die Stadt auf die nächste Sitzung der Projektgruppe Anfang November. "Der Südflügel ist im Plan", hieß es nur; der Neubau soll Mai 2016 fertig sein.

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Privates aus den Tagebüchern

Unter dieser überschrift veröffentlichte die Mitteldeutsche Zeitung am 10.02.2014 folgenden Artikel von Karina Blüthgen:

VORTRAG Renate Gruber-Lieblich hat dank eigenhändiger Aufzeichnungen ein recht gutes Bild von dem Menschen Julius Riemer bekommen.

WITTENBERG/MZ - Die erste Ehe von Julius Riemer ist nach wie vor ein großes Geheimnis für Renate Gruber-Lieblich. Trotz langer Forschung hat sie bisher nicht herausfinden können, wann genau Riemer geheiratet hat. Allerdings ist dank eines Tagebuches der Scheidungsgrund bekannt. "Julius hat ein Fräulein Anna geduzt und mit ihr getanzt", sagte Christina Daniela Riemer, Urenkelin des Mannes, den die Wittenberger als Sammler und Direktor des Museums mit seinen Schätzen in Erinnerung haben. Noch ist die Biografie von Riemer nicht geschrieben, aber was Renate Gruber-Lieblich in langer Recherche an verschiedenen Orten, dank Tagebüchern, Briefen und anderen Dokumenten, herausgefunden hat, zeichnet schon ein recht gutes Bild des 1958 gestorbenen Mannes.
Am Freitag stellte die Autorin Gruber-Lieblich im Malsaal des Cranachhauses vor etwa 70 Zuhörern ihr Material vor. Bekannt war, das Julius Riemer gemeinsam mit seinem Bruder Franz in Berlin eine Handschuhfabrik geerbt hatte. Diese wiederum versetzte ihn finanziell in die Lage, Expeditionen zu unterstützen, deren Teilnehmer ihm im Gegenzug Material für seine Sammlung mitbrachten. Weitgehend unbekannt waren bislang viele private Details aus dem Leben von Riemer. Renate Gruber-Lieblich hat in dieser Hinsicht auf die Hilfe der Riemerschen Nachfahren bauen können, neben der Urenkelin war am Freitag mit Renate Meiner auch eine Enkelin des Sammlers in Wittenberg. Von drei Ehen wurde berichtet, nach der Scheidung von Luzie heiratete Julius Riemer erneut, Hedwig Riemer starb 1945. Die letzte Ehe wurde 1948 mit seinem Patenkind Charlotte geschlossen und dauerte bis zum Tod Riemers.
Sehr in Einzelheiten hat Renate Gruber-Lieblich vom Verein "Freundeskreis Julius Riemer-Sammlung", der zu der Lesung eingeladen hatte, auch das Verhältnis des Mannes zu jüdischen Sammlern durchleuchtet. "Man ist unfair gegenüber Riemer, zu sagen, dass er sich an jüdischem Eigentum bereichert hat", kommentierte sie die Provenienzforschung zur Riemerschen Sammlung (siehe "Internationales..."). Obwohl es in der Nazi-Zeit fast unmöglich war, Kontakt zu halten ("Juden dürfen keine Briefe schreiben"), habe es Riemer geschafft, nicht nur Informationen zu bekommen, sondern auch Geld zu überweisen. Dafür gebe es Belege und Quittungen. So hatte er dem Ornithologen Oskar Neumann über dessen Wirtin mehrere Male Geld zukommen lassen. "Immer, wenn Riemer ein Stück von Neumanns Sammlung verkauft hatte, kriegte Martha Ehlers Geld."
"Ich bin überwältigt vom Einsatz des Vereins", meinte Christina Daniela Riemer, angetan von der Resonanz in Wittenberg. Sie habe nach dem Tod ihres Vaters ihrem Sohn das Museum von Julius Riemer zeigen wollen, "so wie mein Vater es mir gezeigt hat". Da waren die Räume im Schloss jedoch bereits geschlossen. "Je mehr ich erfahre, desto mehr Achtung habe ich vor der Lebensleistung dieses Mannes", meinte Michael Solf, Vorsitzender des Freundeskreises Julius Riemer. Noch immer sind die Recherchen von Renate Gruber-Lieblich nicht abgeschlossen. Bis zum Erscheinen der Biografie von Julius Riemer, schätzt sie, werde noch über ein Jahr vergehen.

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Einig beim Grundkonzept

Stadtrat macht Weg frei für das neue Stadtmuseum im Zeughaus

Unter dieser überschrift veröffentlichte der Super Sonntag am 26.01.2014 folgenden Artikel:

Gesprächsbedarf bei Details, Akteure aus der Stadt werden beteiligt.

Wittenberg (wg). "Die große Zustimmung zum Kern der Beschlussvorlage ist erfreulich, die Zeit der Irritationen damit - hoffentlich - zu Ende", resümierte Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) die lange Diskussion um die Neueinrichtung der Städtischen Sammlungen im Zeughaus. Dass die Stadt ein neues, mit Landesmitteln finanziertes Museum erhalte, sei keineswegs selbstverständlich; aus eigener Tasche hätte man dies nicht bezahlen können.

Der Kulturausschuss hatte die Vorlage auf Antrag der Fraktionen der Linken und der CDU zunächst nur in erster Lesung behandelt. Begründung: Man habe zu wenig Zeit gehabt, die umfangreichen Anlagen ausführlich zu lesen und in den Fraktionen zu besprechen. Deshalb war vor der Stadtratssitzung am Mittwoch eine außerordentliche Sitzung des Kulturausschusses notwendig geworden, um die zweite dort wurde die Beschlussvorlage einstimmig abgesegnet.

Andreas Wurda

Andreas Wurda, Leiter der Städtischen Sammlungen, und Teile des Ratsarchivs, die derzeit wie viele andere Exponate im ehemaligen Gesundheitsamt untergebracht sind. Foto: Wolfgang Gorsboth

Bürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) stellte die Faktenlage dar und begründete den Zeitdruck. Grundlage der Finanzierung sei der Fördermittelbescheid vom 27. August 2012, der indes nicht berücksichtige, dass zwischenzeitlich die wertvolle Bibliothek des Predigerseminars ins Zeughaus eingezogen sei - eine Interimslösung bis 2016, wenn das Predigerseminar die sanierten Räumlichkeiten im Schloss bezieht. Die Stadt habe am 30. Oktober 2013 einen Antrag an das Land gestellt, um den Fördermittelbescheid an die "veränderte Lebenswirklichkeit" anzupassen.

"Wir müssen die Fördermittel bis Ende 2016 abgerechnet haben, dies erfolgt jedoch in Jahresscheiben", erläuterte Zugehör. In 2014 müssen 287.000 Euro abfließen für Planungsleistungen und die Restaurierung ausgewählter Exponate. "Heute wird weder das Drehbuch der Ausstellung, noch die Liste der Exponate oder die Begleittexte beschlossen, sondern es geht um die Zustimmung zum Grundkonzept des neuen Stadtmuseums", betonte der Bürgermeister. Grundkonzept heißt: Ausstellung der "Kronjuwelen" im Erdgeschoss samt Sonderausstellungsfläche, Stadtgeschichte im ersten Obergeschoss und Präsentation der Sammlung Julius Riemer im Dachgeschoss samt Raum für Museumspädagogik. Bei den Vorberatungen in den Ausschüssen hatte sich gezeigt, dass bei den auszuwählenden Exponaten und deren Begleittexten noch Gesprächsbedarf bestehe - auch in der Stadtöffentlichkeit. "Das Museumskonzept ist gelungen, innovativ und spannend", befand Reinhard Krause (Freie Wähler), der dem wissenschaftlichen Beirat für die "wohltuende Begleitung" dankte. Das Konzept sei keineswegs starr, sondern unterliege stetem Wandel. Seine Fraktion sähe der Museumseröffnung mit Spannung entgegen.

"Wir sind ein ganzes Stück weitergekommen", meinte Frank Scheurell, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion. Perspektivisch brauche das Museum zusätzliches wissenschaftliches Personal. "Wir wollen den Reichtum unserer Stadt würdig präsentieren", betonte Bernhard Naumann (SPD). Die Stadtgeschichte anhand ausgewählter Exponate chronologisch darzustellen sei eine gute Idee. Auch sei die Sammlung Riemer anteilsmäßig sehr gut vertreten.

"Wir brauchten mehr Zeit, um Sachkunde in unsere Fraktion zu holen, denn wir sind weder Historiker noch Museologen", verteidigte Horst Dübner, Fraktionschef der Linken, den Informationsbedarf. Das Grundkonzept sei interessant und fände die volle Zustimmung der Fraktion. Am Ende (fast) überall zufriedene Gesichter und die weise Erkenntnis, dass das Verfahren auch schneller, weniger kontrovers und ohne verletzende Polemik hätte durchgeführt werden können. "Wir wollen es künftig gemeinsam besser machen", schlussfolgerte Dübner und der OB betonte: "Aus diesem Prozess lernen heißt, künftig konzentrierter bei der Sache zu bleiben und keine Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen."

Info

Die Beschlussvorlage zur "Neueinrichtung der Dauerausstellung des Museums der Städtischen Sammlungen im Zeughaus am Arsenalplatz" wurde einstimmig beschlossen. Als zusätzlicher Punkt wurde aufgenommen: "Der Oberbürgermeister wird beauftragt, langfristig ein Konzept für die Gestaltung der künftigen Depots und seiner Nutzung sowie Rahmenbedingungen für eine qualifizierte Museumspädagogik und die Gestaltung von Sonderausstellungen zu erarbeiten und dies dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorzulegen."

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Zentrum im Wandel

ALTSTADT Museum, Parken, Handel: Stadtrat bringt Vorhaben auf den Weg.

Unter dieser überschrift veröffentlichte Mitteldeutsche Zeitung am 24.01.2014 folgenden Artikel von Irina Steinmann:

WITTENBERG/MZ - Mit überwältigender Mehrheit hat der Stadtrat auf seiner ersten Sitzung im neuen Jahr drei Vorhaben auf den Weg gebracht, die, jedes auf seine Art, das Leben in der Altstadt verändern dürften. Beschlossen wurden das im Volksmund so genannte Parkraumkonzept, das "Integrierte Handlungskonzept ,Handelsplatz Wittenberg' " und die Dauerausstellung im Stadtmuseum. Den Entscheidungen gingen teils unsachliche, teils auch persönlich verletzende Wortmeldungen voraus.

Das Museum

Besonders um die Gestaltung der Dauerausstellung im Zeughaus war in den vergangenen Wochen heftig gerungen worden. Auf einer Sondersitzung des Kulturausschusses kurz vor der Ratssitzung hatten CDU und Linke gemeinsam einen Ergänzungsantrag zur Beschlussvorlage gestellt. Verlangt wurde unter anderem die Einbeziehung regionaler, geschichtlich interessierter Akteure bei der Umsetzung des Konzepts der Leipziger Agentur Kocmoc. Zudem wurde der Oberbürgermeister darin aufgefordert, ein "langfristiges Konzept für die Gestaltung des künftigen Depots (...) sowie Rahmenbedingungen für eine qualifizierte Museumspädagogik und die Gestaltung von Sonderausstellungen zu erarbeiten". Beide änderungen wurden, wie später auch einstimmig die gesamte Beschlussvorlage im Stadtrat, angenommen.

Damit kann das neue Museum bis 2016/2017 komplett eingerichtet werden, das Erdgeschoss mit den "Kronjuwelen" (18 besondere Exponate) soll wie berichtet schon in wenigen Monaten eröffnet werden. Nicht abschließend geklärt ist die Depot-Frage, wie Bürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) im Stadtrat einräumte: Die Räume in der Puschkinstraße sind nur befristet angemietet und vom Land bezahlt, langfristig wird das alte, eigens umgebaute Gesundheitsamt in der Wallstraße Depot bleiben. Mittel für Beratungen zur Museumspädagogik seien bereits vorgesehen, so Zugehör weiter. Themen für die Zukunft bleiben das von CDU-Fraktionschef Frank Scheurell geforderte "weitere Fachpersonal über Herrn Wurda hinaus" (Andreas Wurda ist der Leiter der Städtischen Sammlungen) und die weitere Provenienzforschung, für die Zugehör noch "mindestens zehn Jahre" veranschlagt.

Handel und Parken

Kultur ist freilich nicht alles. Um den Handel in der Altstadt zu stimulieren und den Leerstand zu minimieren hat die Stadt auf der Grundlage des Förderprogramms "Aktive Zentren" den "Handelsplatz Wittenberg" aus der Taufe gehoben. Knapp 400 000 Euro stehen in den nächsten Jahren insgesamt zur Verfügung. Instrumente sind eine Lenkungsgruppe, Mittel für eine Vernetzung und gemeinsames Marketing der Händler sowie ein "Gewerbeflächenmanagement", das Anbietern und Interessenten das Zusammenfinden erleichtert. Parteiübergreifend zeigten die Stadträte große Zustimmung, einige mochten sich rein rückwärtsgewandte Einlassungen trotzdem nicht verkneifen, andere schürten munter Untergangsängste.

Die Vorschläge der Verwaltung zum Parken hatten wie berichtet bereits im Bauausschuss einige änderungen erfahren. Vorgeschlagen wurde unter anderem eine Ausweitung der Parkplätze an der Halleschen Straße Richtung "Kindertreff" sowie eine Bewirtschaftung der Parkplätze im westlichen Teil der Mittelstraße und am Ost- Eingang der Collegienstraße. über die Erhöhung der Parkgebühren wird erst später entschieden.

ZITIERT

Orden und Theater

Das Museum erregte die Gemüter auch sprachlich:

"Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt." (Bürgermeister Zugehör zum Verlauf der mehrjährigen Debatte, frei nach J. Ringelnatz)

"Ich bin kein Museumsexperte, (aber) ich habe die ersten 28 Jahre in der DDR gelebt: Unsere Stadt hatte ein Theater in dieser Zeit." (Frank Scheurell über vermeintlich zu viele Orden im DDRTeil der Ausstellung)

"Für die CDU/Schluss!" (Anfang mit Versprecher und Ende der Rede von Bernhard Naumann (SPD)

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Einen Schritt weiter

STADTMUSEUM: Hauptausschuss spricht sich ohne Gegenstimmen für Konzept aus.

Unter dieser überschrift veröffentlichte Mitteldeutsche Zeitung am 18.01.2014 folgenden Artikel von Irina Steinmann:

WITTENBERG/MZ - Geht doch! Ohne allzu viel Federlesens hat sich der Haupt- und Wirtschaftsausschuss des Stadtrates am Donnerstagabend für das Museumskonzept ausgesprochen. Damit kann die Beschlussvorlage über die Gestaltung der Dauerausstellung im neuen Stadtmuseum voraussichtlich am kommenden Mittwoch im Stadtrat abschließend behandelt werden. Voraussetzung hierfür ist wie berichtet allerdings noch ein vorheriges Votum des Kulturausschusses, der deshalb am 22. Januar unmittelbar vor der Ratssitzung zusammenkommt. Dieser Fachausschuss hatte es in der vergangenen Woche rundweg abgelehnt, über das Konzept zu beschließen - CDU und Linke hatten gemeinsam Zeitmangel geltend gemacht.

Das machten ihre Fraktionsvorsitzenden Frank Scheurell (CDU) und Horst Dübner (Linke) auch diesmal und enthielten sich als einzige in der Abstimmung - ihre Fraktionssitzungen fänden erst in der kommenden Woche statt und man wolle noch allen Mitgliedern Gelegenheit geben, sich zu äußern, und außerdem "tun wir alle gut daran, noch heimische Akteure zu befragen", wie es Scheurell formulierte. Heimische Akteure waren freilich auch an der Erarbeitung des Konzepts der Leipziger Agentur Kocmoc beteiligt, das der Wissenschaftliche Beirat Anfang Dezember für gut befunden hatte.

Lob für die Macher

Parteiübergreifend wie selten ergoss sich im Hauptausschuss Lob über Kocmoc-Mitarbeiter Jan Wünsche, der das Konzept auch hier vorstellte. "Sehr faszinierend" fand es Reinhard Krause von den Freien Wählern, "hervorragend" der Sozialdemokrat und Abtsdorfer Ortsbürgermeister Gerd Deeken, schlichtweg "wunderbar" der AdBVetreter Dieter Riedel. "Der Streit hat sich am Ende gelohnt", meinte Linke-Fraktionschef Dübner in seiner "persönlichen" Stellungnahme. Eine dreiviertel Stunde nahmen sich die Ausschussmitglieder insgesamt Zeit für Anmerkungen und Anregungen. Dabei kamen auch Dissonanzen im Detail zum Ausdruck. Dübner störte sich am Begriff "Eroberung" für das, was bei Kriegsende 1945 über Wittenberg kam, "Befreiung" wäre angemessen; Scheurell fand - aus der damaligen Zeit heraus betrachtet, wie er spezifizierte - "Eroberung" durchaus korrekt. Reinhard Lausch (Grüne) erklärte die Ausstellung einer Uniform des "Roten Frontkämpferbundes" unter den "Kronjuwelen" (18 für Wittenberg besonders aussagekräftige Stücke) im Erdgeschoss für deplatziert. Und die Ausstellungsmacher erklärten, wie zuvor schon Bürgermeister Torsten Zugehör (parteilos), dass andererseits die "Hand der Giftmischerin" dort nichts verloren habe, wohl aber im Obergeschoss, wo man das gruselige Exponat in einen Zusammenhang stellen könne und werde, wie Wünsche erläuterte: Aus ethischen Gründen habe man sich entschlossen, im Erdgeschoss keine menschlichen Teile auszustellen. Konsens bestand am Ende darin, dass die Ausstellung mit ihren rund 400 Exponaten nicht statisch sondern veränderbar sei und ihr Reiz im übrigen gerade darin bestehen werde, dass sie das Publikum zu Debatten herausfordere. Man wolle die Gestaltung der Schau weiter kritisch begleiten, hieß es seitens der Ausschussmitglieder, wohl wissend, dass sie alle keine "Museumspädagogen" sind.

Eröffnung im Sommer

Ab dem Sommer wird sich die öffentlichkeit vom Gelingen des Vorhabens überzeugen können: Der erste Teil, das Erdgeschoss mit den "Kronjuwelen", soll bis Ende Juni fertiggestellt sein, die beiden oberen Etagen - in denen sich gegenwärtig als Zwischenmieter die Bibliothek des Predigerseminars befindet - mit Stadtgeschichte bzw. Sammlung/Sammler Julius Riemer dann bis 2016. Bürgermeister Zugehör verteidigte (und entschuldigte) am Donnerstag einmal mehr die - fördermittelbedingte - Eile im Meinungsbildungsprozess. Die Linke befasst sich am Montag in ihrer öffentlichen Fraktionssitzung mit dem Museumskonzept (17 Uhr, Neues Rathaus, Raum "Göttingen").

Zwei Sitzungen

Am 22. Januar findet um 15 Uhr eine außerordentliche Sitzung des Kulturausschusses statt, einziges Thema ist das Museumskonzept (Altes Rathaus, Beratungsraum von "ConAct"). Nebenan im Großen Saal kommt am selben Nachmittag dann der Stadtrat zusammen. Auf der Tagesordnung stehen ab 16 Uhr neben der genannten "Neueinrichtung der Dauerausstellung des Museums der Städtischen Sammlungen im Zeughaus am Arsenalplatz" unter anderem die Bestellung der Arbeitnehmervertretung in den Betriebsausschuss des neuen Eigenbetriebes "Kommunale Bildungseinrichtungen Lutherstadt Wittenberg", für die es zwei Kandidatinnen gibt, das Thema Parken in der Stadt sowie die Initiative "Handelsplatz Wittenberg" zwecks Altstadt-Belebung.

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Frischer Wind in einem alten Gemäuer

Kronjuwelen, Stadtgeschichte und die Welt im Museum

Unter dieser überschrift veröffentlichte der Wochenspiegel am 15.01.2014 folgenden Artikel :

Kulturausschuss behandelte die Neueinrichtung des Stadtmuseums in erster Lesung.

Wittenberg (wg). "Der Abschied vom Schloss ist uns nicht leichtgefallen, der Weg seither war lang und führte nicht immer geradeaus", erklärte Bürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) zur Beschlussvorlage über die Neueinrichtung der Dauerausstellung des Museums der Städtischen Sammlungen im Zeughaus am Arsenalplatz. 2007 hatte der Stadtrat die Verwaltung mit der Prüfung beauftragt, ob das Zeughaus als Stadtmuseum überhaupt geeignet sei.

Stadtmuseum

Das Stadtmodell ist im Erdgeschoss des Zeughauses das zentrale Exponat. Foto: Archiv

Seitdem habe man sich bemüht, die Stadtöffentlichkeit in den Planungsprozess einzubeziehen. Ein Wettbewerb wurde ausgelobt, um die "Kronjuwelen" der Stadt - besondere Exponate - zu ermitteln. Die Resonanz war bescheiden.

Gleichwohl bilden diese Kronjuwelen eine besondere Rolle im Erdgeschoss des Zeughauses. "Dort geben wir einen überblick in unterhaltsamer Form zur Stadtgeschichte", sagte Jan Wünsche, Ausstellungsplaner der Leipziger Agentur "Kocmoc.Net". Besucher, die mehr Zeit haben, finden dort auch Verweise auf Sehenswertes im ersten Obergeschoss, das die Stadtgeschichte ausführlich darstellt, sowie auf das Dachgeschoss, in dem sich die Sammlung von Julius Riemer befindet.

Kronjuwelen sind der Pratauer Münzfund, das Richtschwert, der Walfischknochen aus der Sammlung des Kurfürsten, die historische Amtskette des Bürgermeisters, die aus der Südsee stammende Häuptlingsfigur Uli, ein germanisches Waffengrab, eine Giraffe und der Amboss, auf dem 1983 im Lutherhof ein Schwert zu einer Pflugschar geschmiedet wurde. Hauptexponat im Erdgeschoss ist das Stadtmodell, das auf circa 30 Quadratmetern Wittenberg anno 1873 zeigt.

Das detailverliebte Modell vermittelt eine Vorstellung davon, wie das einst mächtige Festungswerk wirklich aussah. "Wir werden das Stadtmodell absenken und so präsentieren, als würde es im Raum schweben", so Wünsche. Ergänzt wird es mit zwei Medienstationen, mit deren Hilfe man bestimmte Objekte anklicken und auf Augenhöhe heranzoomen kann.

Für verschiedene Zielgruppen

Das neue Ausstellungskonzept will unterschiedliche Zielgruppen wie Einheimische und Touristen, Kinder und Erwachsene, Einzelreisende und Touristengruppen bedienen. Für jede Zielgruppe gibt es einen Extra-Flyer und einen spezifischen Parcours durch das Museum. Der "Klassiker" erzählt die Geschichte der Stadt chronologisch anhand der 18 Kronjuwelen. "Für Weltenbummler" lautet der Titel des Flyers, der exotische und weitgereiste Exponate umfasst. "Für Abenteurer" nennt sich der Flyer für Kinder, der ausgesuchte Exponate mit Märchen verknüpft, und der Flyer "Für ästheten" versammelt ganz besondere Exponate wie einen Lutherbotschafter von Ottmar Hörl oder die Eisentreppe von Joly, die auf der Weltausstellung in Paris um die Jahrhundertwende zu sehen war.

Die Welt im Museum

Während das Erdgeschoss dem Besucher einen kurzweiligen Einstieg ermöglicht, zeigt das erste Obergeschoss die Stadtgeschichte in ausführlicher Form. Die zentralen Exponate - insgesamt 406 - befinden sich in Tischvitrinen, die wie ein Band der Zeit im Raum angeordnet sind, während die Wände Platz für vertiefende Informationen bieten. Die Themen sind chronologisch angeordnet und reichen von der Frühzeit und den Askaniern über die Stadtverwaltung im Mittelalter, Friedrich dem Weisen, den Konfessionskriegen, der Universität und Befreiungskriegen bis zum preußischen Wittenberg, der Militärpräsenz bis zum Ersten Weltkrieg, der Weimarer Republik, NS-Zeit, DDR bis in die Gegenwart.

"Die Welt im Museum" ist der Titel der Ausstellung im Dachgeschoss, die in Form eines Schaudepots die naturkundliche und völkerkundliche Sammlung Julius Riemer präsentiert. Wesentliches Mittel der Inszenierung ist ein Karussell in der Mitte des Raumes, das auf einem äußeren Ring ethnologische und auf einem inneren Ring naturkundliche Exponate besonders hervorhebt. Während im Erdgeschoss ein Raum für Sonderausstellungen reserviert ist, findet sich im Dachgeschoss Platz für Museumspädagogik.

"Dieses Stadtmuseum ist Teil der bürgerschaftlichen Identität", betonte Dr. Stefan Rhein, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates, der die Stadt bei der Konzeption der Dauerausstellung beraten hat. Die Reformationszeit habe man bewusst ausgespart, weil dafür das Lutherhaus zuständig sei und das Stadtmuseum andere Akzente setze.

Auf Antrag der CDU wurde die Beschlussvorlage über die Neueinrichtung der Dauerausstellung als erste Lesung behandelt, obwohl Bürgermeister Zugehör Druck machte: "Das Drehbuch steht, es ist sinnlos, noch länger zu diskutieren, außerdem drängt die Zeit. Wir müssen wegen der Fördermittel die neue Ausstellung Ende des zweiten Quartals 2014 eröffnen."

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Zustimmung verweigert

STADTMUSEUM Kulturausschuss will Konzept lieber weiter diskutieren.

Unter dieser überschrift veröffentlichte die Mitteldeutsche Zeitung am 10.01.2014 folgenden Artikel von Irina Steinmann:

WITTENBERG/MZ- Der Bürgermeister war ein bisschen voreilig. Einen "Tag der Freude" hatte Torsten Zugehör (parteilos) ausgemacht, der Freude darüber, dass ein mehr als sechsjähriger und überaus mühseliger Prozess an diesem Mittwochabend im Alten Rathaus einen ersten Abschluss finden sollte. Doch Pustekuchen! Der Kulturausschuss verweigerte der Verwaltung die Zustimmung zum Konzept für das neue Stadtmuseum. In nicht mehr seltener Einmütigkeit setzten sich CDU und Linke mit ihrem Antrag durch, die Angelegenheit nicht abschließend, sondern lediglich "in erster Lesung" zu behandeln, da man noch Diskussionsbedarf sehe. Damit kann die "Neueinrichtung der Dauerausstellung des Museums der Städtischen Sammlungen im Zeughaus am Arsenalplatz", so der Klarname der Beschlussvorlage BV-124/2013, nicht mehr wie vorgesehen im Januar vom Stadtrat auf den Weg gebracht werden.

Vergeblicher Appell

Vergebens hatte ein sichtlich aufgebrachter Bürgermeister nach etwa einstündiger, teils unterirdischer Debatte an die Mitglieder des Kulturausschusses appelliert, den Plänen doch bitte sofort zuzustimmen. "Wir müssen im 2. Quartal eröffnen", machte Zugehör mit Blick auf die Fördermittel geltend. Und: "Wir hatten eine sehr breite Diskussion" über die Jahre hinweg. "Ich lasse mir keinen Zeitdruck aufzwingen", konterte ungerührt Frank Scheurell von der CDU. Man habe in der Fraktion wegen der Feiertage noch keine Gelegenheit gehabt, sich über das Konzept auszutauschen. ähnlich äußerte sich die Linke. Die Vorlage war den Mitgliedern des Kulturausschusses direkt vor Weihnachten zugegangen, nachdem der wissenschaftliche Beirat für die Neugestaltung des Museums das Konzept der Leipziger Agentur Kocmoc am 3. Dezember für gelungen befunden hatte.

"Uns scheint das eine Projektskizze zu sein", erklärte dagegen ein Vertreter des vormals als Bürgerinitiative agierenden Vereins der Freunde Julius Riemers und dessen Sammlung, der auf Antrag der Linken Rederecht im Ausschuss bekommen hatte. "Zu vielen Feldern bräuchten wir noch mehr Informationen", etwa zur Präsentation der "heimischen Natur" und zur "ägyptologie". Außerdem interessiere man sich dafür, "wer wie lange mit welchem Geld an welchem Thema gearbeitet hat". Ausschussmitglieder wiederum vermissten und wünschten sich dies und das: Bernhard "Luther" Naumann (SPD) etwa mehr Infos über die Auswirkungen der Reformation auf die Stadtgestalt sowie einen "Vortragsraum" (ansonsten aber: "Großes Lob"!), Scheurell einen "regionalen Bezug zur Natur"; Jürgen Schuster, Sozialdemokrat aus Seegrehna, forderte, dass jeder Ortsteil in schlichter Parität mit einem Exponat vertreten sein müsste im Stadtmuseum - sowie der Sport - und hielt auch das Heute bereits für museumsreif.

Schwierige Verdichtung

"Wenn man über eine Ausstellung diskutiert, braucht man am Ende 2 000 Quadratmeter...", kommentierte Stefan Rhein milde das muntere Wünschdirwas im Plenum. Der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten war Mitglied des wissenschaftlichen Beirates. Rhein verteidigte die "schwierige Verdichtung" einer so langen und reichen Stadtgeschichte auf die nun ausgewählten "406" Exponate. Auch bei der Umgestaltung der Lutherhalle hatte es bekanntlich Debatten gegeben, ob weniger mehr sei. "Museumsbesucher gehen mit drei, vier Objekten raus", verwies Rhein auf Untersuchungen zur tatsächlichen Erinnerungsfähigkeit. Dass die Besucher des Stadtmuseums ordentlich was zu sehen bekommen werden, wenn das Kocmoc- Konzept die politischen Hürden genommen hat, steht allerdings bereits jetzt außer Frage. Auf drei Etagen mit drei verschiedenen Bereichen erwartet sie das Werden einer Stadt von der Steinzeit bis ins Einheitsjahr 1990.

Zum Anfüttern dient das Erdgeschoss mit seinen "Kronjuwelen" - für Wittenberg besondere Exponate - dort befindet sich auch der vergrößerte Sonderausstellungsbereich. Im ersten Obergeschoss wird die Stadtgeschichte dargestellt und das Dachgeschoss gehört komplett dem Sammler und der Sammlung Julius Riemer. Auf verschiedenen Parcours werde der Einzelne mittels Flyern je nach individueller Interessenlage zu bestimmten Exponaten geführt - und bei Bedarf auch darüber hinaus in die Stadt, erläuterte Kocmoc-Mitarbeiter Jan Wünsche, der das Konzept im Kulturausschuss vorstellte (siehe "Hereinspaziert!").

Mehrheit will mehr

Am Ende aber hielt nur eine Minderheit, darunter der Ausschussvorsitzende Volker Werner (Freie Wähler), die Beschlussvorlage für abstimmungsreif. Mit fünf Ja, drei Nein und einer Enthaltung (von CDU-Frau Franziska Buse) plädierte man für ein Aufschieben der Entscheidung, also erste Lesung.

Es war das zweite Mal binnen weniger Wochen, dass Stadtratsmitglieder einem wichtigen Kulturprojekt die Zustimmung verweigerten. Auf der letzten Stadtratssitzung im alten Jahr war wie berichtet das für 2015 geplante Jubiläumsvorhaben "Cranach City" zur weiteren Behandlung in die Ausschüsse zurückverwiesen worden. Auch in diesem Fall drängt nach Angaben der Verantwortlichen aber die Zeit.


DAS NEUE MUSEUM: Hereinspaziert!

Als erster Teil des Stadtmuseums soll bis Juni das Erdgeschoss eröffnet werden, die beiden anderen Etagen 2016.

Im Erdgeschoss soll in "unterhaltsamer Form" (Jan Wünsche) Stadtgeschichte präsentiert werden. Mittelpunkt der 18 "Kronjuwelen" von Amtskette bis Uli ist das Stadtmodell. Es wird abgesenkt und medial so aufgerüstet, dass man quasi durch die Straßen spazieren kann. Im hinteren Teil ist Platz für Sonderausstellungen.

Das erste Obergeschoss teilt die Stadtgeschichte in Themenbereiche wie "Bildungsstandort", "Wirtschaft", "Glaubensfragen", "Leben in der Stadt", "Gerichtsbarkeit", "Dreißigjähriger Krieg" etc. Auf Tischvitrinen unterschiedlicher Höhe sprechen die einzelnen Exponate für sich. "Eventuell" werden hier die Gebeine Rudolfs II. gezeigt, so Wünsche. Dank Friedrich Schorlemmer kehre das 1983 umgeschmiedete Schwert aus Leipzig zurück. Integriert ist auf der Etage die Museumspädagogik.

Das Dachgeschoss folgt dem Prinzip "Wunderkammer" (Stefan Rhein), nicht dem eines Naturkundemuseums. Unter dem Titel "Die Welt im Museum" soll Riemers Bezug zur Stadt verdeutlicht werden. Im Mittelpunkt steht ein "Karussell" mit völker- und naturkundlichen Exponaten. "Wir wollen Vielfalt präsentieren", so Wünsche.


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Aufmacher in der MZ am 17.10.2013

Lebenswerk und Leidenschaft

EHRUNG Museumsleiterin Charlotte Riemer wäre gestern 100 Jahre alt geworden.

Mit diesem Aufmacher und unter dieser überschrift veröffentlichte die MZ am 13.10.2013 folgenden Artikel von Karina Blüthgen:

WITTENBERG/MZ

- Was hätte Charlotte Riemer wohl anlässlich ihres hundertsten Geburtstages gesagt? Vermutlich hätte sie in ihrer sehr direkten Art deutliche Worte zur derzeitig verpackten Riemerschen Sammlung gefunden. Die Gestaltung des Museums aus den Sammlerstücken ihres Mannes Julius war ihr Lebenswerk, ihre Leidenschaft. Und sie hätte die Stadt (nicht zum ersten Mal) ermahnt, dass das Erbe der Sammlung auch Verpflichtung bedeutet. Gestern wäre Charlotte Riemer, geborene Mathieu, hundert Jahre alt geworden.

Etwa 20 Weggefährten und Freunde ehrten die im Jahr 2002 Verstorbene mit Gebinden und Erinnerungen. Er habe seine Tante Charlotte Riemer als eine weltoffene Frau erlebt, sagte Harald Schultze, der aus Magdeburg angereist war. Ihren Vater habe sie im Alter von acht Jahren verloren, ihre Mutter hatte das Vermögen der Familie in der Inflation eingebüßt. "Sie musste sich ihre Jugend und ihr Leben selbst organisieren", so der Großneffe. In der Sammlung ihres Patenonkels Julius Riemer, den sie 1948 heiratete, habe sie eine Lebensaufgabe gefunden.

Jugendliche begeistert

Charlotte und Julius Riemer konnten aber vor allem eines: Jugendliche für die Natur begeistern. "Ich hätte nie gedacht, dass es mich, als ich mit 13 Jahren zum ersten Mal die Räume des Museums betrat, derart prägen würde", blickte Klaus Glöckner zurück. Er war über 47 Jahre im Museum tätig, hat am längsten mit Charlotte Riemer zusammengearbeitet und, als es ihr körperlich schwer fiel, die Geschicke des Museums weitergeführt. "Dass heute ihr hundertster Geburtstag ist, will mir nicht in den Kopf. Sie steht noch lebendig vor mir", meinte Glöckner, der seit einigen Jahren in Leipzig wohnt.

Heimstatt der Ornithologen

"Wir wären für sie durchs Feuer gegangen", erklärte der heute 77-Jährige und zeigte, dass ihn noch immer die Leidenschaft des Forschens und Sammelns gepackt hält. Einer, der das gut nachvollziehen kann, nickte kaum merklich. "Julius Riemer war mein väterlicher Mentor", verriet Uwe Zuppke gegenüber der MZ. Seine Beschäftigung mit der Tierwelt der Elbaue rund um Wittenberg ist inspiriert von dem, was er in seiner Jugend bei Julius Riemer und dessen Freund Otto Kleinschmidt lernte. "Unsere ornithologische Gruppe in Wittenberg hatte ein Heimatrecht im Museum. Wir konnten die Räume für unsere Veranstaltungen und die Fachbibliothek nutzen. Und wir hatten bestes Anschauungsmaterial für unsere Vorträge", ist er noch heute Charlotte Riemer für ihre Unterstützung dankbar.

Er freue sich, dass der hundertste Geburtstag von Charlotte Riemer so aufmerksam aufgenommen werde, zeigte sich Harald Schultze dankbar angesichts so vieler positiver Reflexionen. Er habe Charlotte unterstützt, Kontakte zur weit verzweigten Familie zu halten - auch, als es Offiziellen zur DDR-Zeiten einfiel, dass es einer überzeugten Museumsleiterin nicht tunlich sei, Westkontakte zu haben. "Ich habe Hochachtung vor der Lebensleistung von Charlotte Riemer", schloss er seine kurze Rede.

Der Freundeskreis Julius Riemer, der als Verein das Weiterbestehen des Museums und die Neugestaltung der Ausstellung im Blick hat, hatte im Anschluss an das Gedenken auf dem Wittenberger Friedhof für weitere zwanglose Gespräche in einer Gaststätte einen Tisch reserviert. So mancher nahm das Angebot auch dankbar an.

ZUR SAMMLUNG

Noch immer Diskussionen zur Präsentation

Seit 2009 wird diskutiert und zuweilen auch gestritten, wo und wie die natur- und völkerkundliche Sammlung von Julius Riemer, vormals im Schloss, präsentiert wird. Ideen von der Schau in einer Etage des Zeughauses gab es, später Planungen zur Herrichtung eines Schaudepots in der Pfaffengasse. Das Konzept für das Zeughaus sieht nun vor, Julius Riemer als eine der wichtigen Personen der Stadtgeschichte mit ausgewählten Stücken darzustellen. Drei herausragende Objekte sollen unter den 16 "Kronjuwelen" sein, die künftig im Zeughaus Lust machen sollen, mehr zu sehen. Im Sommer 2012 wurde die Sammlung von Restauratoren und Präparatoren verpackt und vorerst in übergangsquartiere gebracht. KBL

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Vermächtnis eines späten Sammlers

Nils Seethaler geht Motiven früherer Liebhaber der Völkerkunde nach und findet Ansätze für Riemersche Ausstellung.

Unter dieser überschrift veröffentlichte die MZ am 14.10.2013 folgenden Artikel:

WITTENBERG/MZ/KBL - Sammlungen von Objekten aus anderen Kulturkreisen klären nicht nur über diese auf. "Sie helfen auch, uns selber besser zu verstehen", sagt Nils Seethaler. Insofern birgt jede Zusammenstellung von Objekten, sofern sie gut konzipiert ist, einen Aha-Effekt. Idealerweise "sieht der Betrachter ein schönes Stück und will von sich aus mehr erfahren, muss also nicht dazu angehalten werden", erläutert der Berliner Ethnologe. Genau das wünscht sich der Verein "Freundeskreis Julius Riemer" von der künftigen Ausstellung der Privatsammlung.

Einfluss auf europäische Kunst

Was genau im Zeughaus gezeigt werden wird, ist bisher nur ansatzweise nach außen gedrungen. Dennoch wird der Verein nicht müde, eigene Vorschläge zu unterbreiten und mit Veranstaltungen auf die Bedeutung der Privatsammlung Riemers aufmerksam zu machen. Nach welchen Aspekten Sammler früher vorgingen, was sie als würdig erachteten und wie sie es präsentierten, darüber versuchte Nils Seethaler mit einem Vortrag "Europäische Sammler außereuropäischer Kunst" am Freitag einen überblick zu geben. Zudem zeigt er Einflüsse auf, die Gegenstände indigener Völker auf die europäische Kunstgeschichte (etwa den Surrealismus) hatten.

Riemer sei insofern ein Sonderfall, als dass er erst Mitte des 20. Jahrhunderts mit dem Sammeln begann, erläuterte er den 20 Zuhörern im Kirchlichen Forschungsheim. In einer Zeit also, als anderswo längst damit abgeschlossen wurde. Denn die große Zeit des Forschens und Entdeckens, so Nils Seethaler, sei das 19. Jahrhundert gewesen. Das Sammeln geschah seinerzeit "enzyklopädisch", man versuchte vollständige Reihen von Objekten zum Erkenntnisgewinn aufzubauen. Bei schriftlosen Kulturen stand das Objekt gänzlich im Vordergrund. Jedes Volk habe eine Kultur, und jede Kultur entwickle sich, räumte Seethaler mit der Vorstellung auf, dass es so etwas wie "Kulturlosigkeit" gibt. "Keine Kultur steht für sich", hob er gegenseitige Beeinflussungen hervor.

Ansätze für neue Schau

Genau diesen Aspekt, das Gegenüberstellen von Parallelen von vermeintlich fremden außereuropäischen Funden zu Religion, sozialer Organisation oder auch der Stellung der Geschlechter zu jenen in Europa könnten sich die Vereinsmitglieder auch in Wittenberg vorstellen. Dass sich die neue Schau im Zeughaus am Sammler Julius Riemer orientieren soll, hält Nils Seethaler für einen möglichen Verknüpfungspunkt. Wichtig sei aus seiner Sicht, dass nicht einzelne wertvolle Stücke, sondern Zusammenhänge aus der bedeutenden Sammlung gezeigt werden.

Da in der künftigen Ausstellung im Zeughaus nur ein begrenzter Platz zur Verfügung stehen wird, kam aus der Runde die Anregung, die Vielfalt der Objekte aus der Sammlung zumindest in digitaler Form aufbereitet für Interessierte zugänglich zu machen. Denn letztlich, so Seethaler, gehe es darum, das Interesse der Besucher zu wecken und nicht nur Lob aus der Fachwelt zu bekommen.

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Charlotte Riemer wurde vor 100 Jahren geboren

Ein bewegtes Leben in bewegten Zeiten für die Natur- und Völkerkunde.

Unter dieser überschrift veröffentlichte der Super Sonntag am 13.10.2013 folgenden Artikel:

Charlotte Riemer

Wittenberg (wg). In jahrzehntelanger, aufopferungsvoller Tätigkeit hat sich Charlotte Riemer den natur- und völkerkundlichen Sammlungen gewidmet, deren Ruf weit über die Grenzen Sachsen-Anhalts hinausreicht. "Das Riemer Museum, so wie es sich bis zum Auszug aus dem Schloss dem Betrachter präsentierte, ist das Lebenswerk von Charlotte Riemer", resümiert Klaus Glöckner, der 1953 als technischer Assistent im Riemer Museum angestellt wurde und dort bis zu seiner Pensionierung als engster Mitarbeiter der Nestorin arbeitete. Bis zu ihrem Tod 2002 leitete sie die Einrichtung, deren Sammlungen sie per Vertrag an die Stadt Wittenberg vererbte. Am 16. Oktober 1913 wurde Charlotte Riemer als einziges Kind des Rittergutsbesitzers Hans Mathieu in Raßdorf bei Bülzig geboren. Ihr Taufpate war der damals 33 Jahre alte Julius Riemer, Berliner Textilkaufmann und ein guter Freund des Hauses.

Charlotte Riemer und Klaus Glöckner

1917 musste das Rittergut verkauft werden, die Familie zog nach Zahna, wo Vater Hans Mathieu 1921 verstarb. Die Erziehung lag nun allein in den Händen von Mutter Ida Mathieu, Tochter des Mühlenbesitzers Karl Mehnert aus Abtsdorf. Sparsame Lebensführung war angesagt, denn der Erlös aus dem Verkauf des Rittergutes wurde Opfer der Inflation. "Julius Riemer kümmerte sich fürsorglich um Patenkind und Mutter", berichtet Glöckner. 1928 besuchte Charlotte zum ersten Mal ihren Onkel in Berlin, wo die natur- und völkerkundlichen Exponate des leidenschaftlichen Sammlers Julius Riemer einen nachhaltigen Eindruck hinterließen - wie sich Jahre später herausstellen sollte.

Nach Besuch des Lyzeums in Wittenberg und der Oberschule in Jüterbog nahm Charlotte Mathieu 1937 eine Tätigkeit im Luftpark Jüterbog-Altes Lager auf. Die Wirren des Kriegsendes verschlugen sie zunächst nach Schleswig-Holstein, im August 1945 konnte sie nach Zahna zurückkehren. Der Krieg hatte auch Charlottes Patenonkel nicht verschont: Die Wohnung in Berlin-Tempelhof war ausgebombt. Kurz zuvor gelang es Riemer, seine Sammlung nach Sieversdorf im Kreis Kyritz auszulagern. Dort verstarb 1945 seine zweite Frau. "Riemer suchte für sich und seine Sammlung eine neue Heimat", so Glöckner. "Eine dauerhafte Lösung bahnte sich durch die Freundschaft Riemers mit Dr. Otto Kleinschmidt an, dem Leiter des Kirchlichen Forschungsheimes in Wittenberg."

Die Stadt stellte Räumlichkeiten im Schloss zur Verfügung. Ende 1947 traf Riemer mit dem ersten Lastzug in Wittenberg ein, weitere sieben und dann zwei Eisenbahnwaggons folgten. 1949 konnte ein erster Raum eröffnet werden. Von Anfang an half Charlotte Mathieu ihrem Onkel - zunächst bei der Sichtung und Bearbeitung der Exponate, schließlich übernahm sie die gesamte Sammlungsbetreuung. Im April 1948 heirateten beide im Schloss. Die zehnjährige Ehe endete am 15. November 1958 mit dem Tod Julius Riemers, von da an übernahm Charlotte Riemer die alleinige Leitung des Hauses. In dem 1954 mit der Stadt abgeschlossenen Vertrag wurde eine 99-jährige Laufzeit vereinbart und Charlotte Riemer als Universalerbin eingesetzt. Nach und nach konnten weitere Räume im Schloss zur musealen Präsentation genutzt werden.

Charlotte Riemer und Klaus Glöckner

Zu den ersten Besuchern gehörte damals Klaus Glöckner: "Frau Riemer hat, nicht selten im Widerspruch zu den Wünschen ihres Mannes, dafür gesorgt, dass nicht wahllos alles gezeigt wurde, sondern dass eine didaktisch ansprechende, wissenschaftlichen Anforderungen genügende Ausstellung entstand." Dabei konnte sie auf Fachkenntnisse zurückgreifen, die sie sich im Studium an der Museumsfachschule in Köthen, später in Weißenfels von 1955 bis 1959 aneignete.

"Frau Riemer hat ihre ganze Kraft dem Museum gewidmet", erzählt Glöckner. "Da alle Exponate dokumentiert werden mussten, hat sie zunächst Federzeichnungen angefertigt, später dann die Objekte fotografiert. Die Filme hat sie in einem eigenen Labor entwickelt und zu Ausstellungszwecken vergrößert." Aus den schwierigen Anfängen entwickelte sich ein Museum, das nicht nur in Wittenberg fest verwurzelt ist, sondern über die Landesgrenzen hinaus zu den arriviertesten Privatsammlungen zählte, mit vielfältigen Kontakten zu anderen Museen in Ost- und Westdeutschland. Was von den Sammlungen künftig im Zeughaus zu sehen sein wird, befindet sich derzeit im Zuge der Neugestaltung der Städtischen Sammlungen in Arbeit.

Info:

Aus Anlass des 100. Geburtstages von Charlotte Riemer erinnern die Stadt und der Freundeskreis Julius-Riemer-Sammlungen am Mittwoch, dem 16. Ok-tober, 14 Uhr, auf dem Friedhof in der Dresdener Straße (gegenüber dem Hauptfriedhof) an die Museums-Nestorin.

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Stadt braucht keine weiteren Experten

Verwaltung reagiert ablehnend auf Vorschlag des Riemer-Freundeskreises.

Unter dieser überschrift veröffentlichte die Mitteldeutsche Zeitung am 11.10.2013 folgenden Artikel:

WITTENBERG/MZ/IRS - Mit Befremden hat Bürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) auf ein Schreiben des "Freundeskreises der Julius-Riemer-Sammlung" reagiert. In dem an den Oberbürgermeister gerichteten Schreiben fordert die Gruppe die Berufung weiterer Fachleute in den Wissenschaftlichen Beirat des künftigen Stadtmuseums: "Nachdem die Planung des zweiten Obergeschosses des Zeughauses mit der neuen natur- und völkerkundlichen Ausstellung erst vor kurzem in Angriff genommen worden ist, viele fachliche Fragen naturgemäß noch ungeklärt sein dürften und der Wissenschaftliche Beirat zur Neuordnung der Museumslandschaft das Gesamtkonzept nach seiner Fertigstellung noch einmal begutachten möchte, den Planungsprozess also noch über weitere Monate begleiten wird, ist es spätestens jetzt geboten, auch die Fachleute an der Diskussion zu beteiligen, deren Arbeitsfelder die Sammlungsschwerpunkte der Riemer-Sammlung sind (...)", heißt es in dem von Rudolf Wasmeier unterzeichneten Schreiben. Es folgen die Namen von vier Experten für Naturkunde und Völkerkunde, deren Mitwirken der Verein für sinnvoll erachtet. "Ihr Rat wäre nicht nur ein Gewinn für die Riemer-Sammlung, für die wir uns einsetzen: Ihre Beteiligung wäre auch geeignet, das Ansehen der Städtischen Sammlungen insgesamt erheblich aufzuwerten", schließt das Schreiben der Riemer-Freunde.

Dass der Brief an die Verwaltung flankierend in die öffentlichkeit geschickt wurde, bezeichnete Zugehör gestern auf MZ-Anfrage als einen "sehr erstaunlichen", ja, "bedenklichen" Umgang miteinander. "Diese Sache wurde bereits unzählige Male miteinander besprochen", verwies er auf regelmäßige Kontakte zwischen dem Freundeskreis und der Verwaltung. "Wir nehmen die Interessen des Vereins ernst", so Zugehör, der in diesem Zusammenhang auch auf den 100. Geburtstag von Riemers verstorbener Witwe Charlotte verwies.

Auch inhaltlich wies er das Ansinnen des Schreibens zurück. Es gebe keinen Bedarf an zusätzlichen Wissenschaftlern. "Wir haben einen Vertragspartner, die Agentur Kocmoc.net", die sich der notwendigen wissenschaftlichen Expertise bediene. Zwischenzeitlich seien - zusätzlich zu dem für Neuere Geschichte - "weitere Experten gebunden worden", ein Biologe und eine "promovierte Ethnologin".

Der Wissenschaftliche Beirat des Stadtmuseums im Zeughaus hatte vor einiger Zeit angekündigt, seine Arbeit bis zur Eröffnung weiterführen zu wollen. Als erstes soll, voraussichtlich 2014, das Erdgeschoss eingerichtet werden. Die Obergeschosse dienen vorübergehend der Bibliothek des Predigerseminars als Ausweichquartier.

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Überblick für Besucher

16 Kronjuwelen illustrieren Wittenbergs Stadtgeschichte

Unter dieser überschrift veröffentlichte der Wochenspiegel am 03.07.2013 folgenden Artikel:

Besondere Exponate sollen im Erdgeschoss des Zeughauses für Höhepunkte sorgen.

Wittenberg (wg). "Wir sind auf einem langen Weg mit klar definierten Schritten", beschreibt Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) den Prozess der Neugestaltung der Städtischen Sammlungen. Mit den sogenannten Kronjuwelen habe man nun einen weiteren wichtigen Schritt vollzogen.

Die Stadt hatte die Bürger dazu aufgerufen, sich mit Ideen und Vorschlägen einzubringen: Jede für die Stadtgeschichte wichtige Etappe soll durch ein besonderes Exponat dargestellt werden. Leider gab es nur elf Zuschriften. "Wir hatten uns mehr Bürgerbeteiligung gewünscht, allerdings verfügen alle Vorschläge über eine fundierte Substanz", sagt der OB. Die Vorschläge der Bürger sind zu fast 100 Prozent identisch mit den Vorschlägen der Fachleute.

Zeughaus Erdgeschoss

Aus 50 Vorschlägen wurden 16 zu Kronjuwelen geadelt. "Diese Exponate, die im Erdgeschoss in besonderer Weise inszeniert werden, sind eine Art Inhaltsverzeichnis für das, was die Besucher im zweiten und dritten Obergeschoss ausführlicher sehen können", erläutert Andreas Wurda, Leiter der Städtischen Sammlungen. Dabei schlagen die Kronjuwelen einen Bogen von der Ur- und Frühgeschichte bis zur Neuzeit.

Den Auftakt macht das germanische Waffengrab aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus, das in der Collegienstraße gefunden wurde und Schwert, Schildbuckel sowie eine Lanze umfasst. Es folgt der Pratauer Münzfund um 1325, entdeckt 1930 in der Propstei Pratau. Er steht für das Münzrecht der Stadt. Eine Besonderheit unter den 2.000 Münzen ist der Marienpfennig, er diente zur Finanzierung des Aufbaus der Stadtkirche als dem ältesten Gebäude der Stadt.

Das dritte Kronjuwel ist die Stadtrechtsurkunde von Wittenberg vom 28. Juni 1293, sie soll im Original präsentiert werden, dazu sind besondere konservatorische Vorgaben einzuhalten. Die Urkunde ist das früheste schriftliche Zeugnis der Stadtgeschichte.

Die Walrippe aus der Heiltumssammlung Kurfürst Friedrichs des Weisen ist ein Exponat von internationalem Rang und steht sowohl für den alten als auch neuen Glauben.

Es folgen die Professorenbilder von Luther und Melanchthon aus der Werkstatt Cranachs d.J., die Stadtrat Melchior Keil 1575 dem Rathaus schenkte.

Das Renaissanceportal aus dem 16. Jahrhundert aus der kurfürstlichen Amtsmühle in der Schlossstraße gilt als Beispiel für die Stadtentwicklung: Es soll mitten im Erdgeschoss platziert werden, so dass die Besucher hindurchgehen können. Weitere Kronjuwelen sind das Richtschwert aus dem 16. Jahrhundert als Zeichen der Gerichtsbarkeit, der Gemeine Kasten als Beispiel für die frühe Sozialordnung und wichtiger Beleg für Luthers Wirken in der Stadt sowie die goldene Amtskette des OB von 1860, die bei offiziellen Anlässen auch heute noch getragen wird.

Als Zeichen der Kriege und Zerstörungen wird eine Congrevsche Brandrakete ausgestellt, die in dieser unversehrten Form einzigartig in Deutschland ist. Die gusseiserne Patenttreppe, die im Eisenwerk Joly produziert wurde, steht für die Industrialisierung Wittenbergs. Diese Treppe wurde von Wittenberg in alle Welt exportiert. Die Uniform des Rotfrontkämpferbundes illustriert die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus, während der Originalamboss auf die symbolische Aktion "Schwerter zu Pflugscharen" von 1983 auf dem Lutherhof verweist.

Die Sammlung Riemer wird durch einen Nasenaffen und eine Giraffe als Exponate mit besonderem Schauwert sowie den Uli repräsentiert. Letztere ist eine Kultfigur von der Insel Neuirland, die heute zu Papua Neuguinea gehört, sie ist nicht nur von hohem wissenschaftlichen Wert, sondern hat auch alle Chancen, wieder zu einem Publikumsliebling zu werden.

"Der besondere Charme des Konzeptes, für welches das Planungsbüro Kocmoc verantwortlich zeichnet, liegt in seiner Flexibilität", betont der OB. Die Kronjuwelen könnten später durchaus gegen andere ausgetauscht werden: "Wir wollen Stadtgeschichte lebendig präsentieren und nicht so, dass sie in zehn Jahren ein alter Hut ist."

Anfang Juli wird sich der wissenschaftliche Beirat mit den Drehbüchern für die Neugestaltung der Städtischen Sammlungen befassen und eine Empfehlung abgeben. Im II. Quartal 2014 soll die neue Dauerausstellung im Erdgeschoss eröffnet werden, 2015 auch in den beiden Obergeschossen.

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16 Kronjuwelen fürs Zeughaus

SAMMLUNGEN Die Stadt stellt vor, was repräsentativ für ihre Geschichte seit der Frühzeit sein soll.

Unter dieser überschrift veröffentlichte die Mitteldeutsche Zeitung am 29.06.2013 folgenden Artikel von Markus Wagner:

WITTENBERG/MZ - Die "Hand der Giftmischerin" und "Fresskahles Magen" sind nicht dabei. 16 "Kronjuwelen" werden im Städtischen Museum im Erdgeschoss des Zeughauses eine Art "Inhaltsverzeichnis" für die Ausstellung bilden. Am Freitag haben sie der Leiter der Sammlungen, Andreas Wurda, und Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) vorgestellt.

"Es kann noch Abweichungen geben", sagt Naumann zur Liste der 16 "Kronjuwelen". Anfang Juli wird der wissenschaftliche Beirat über die nun vorliegenden "Drehbücher" für die neue Dauerausstellung beraten. Teil wird auch die von Kocmoc erstellte Liste mit Prätiosen der Stadtgeschichte sein. Die Idee: Die 16 Stücke sollen wichtige Abschnitte der Stadtgeschichte repräsentieren, die Besucher mit Zeit in den anderen Stockwerken noch vertiefen können. Wir stellen die Juwelen kurz vor:

Germanisches Waffengrab

Schwert, Schildbuckel und Lanze repräsentieren Ur- und Frühgeschichte der Region. Das Modell eines Kriegers wird den Eindruck vervollständigen.

Pratauer Münzenfund

1930 war an der Pratauer Probstei ein Topf mit über 2 000 Münzen gefunden worden. Wittenberg hatte einst das Münzrecht. Unter dem Fund: Marienpfennige - Gedenkmünzen für den Aufbau der Stadtkirche um 1300.

Stadtrechtsurkunde

Es ist das älteste schriftliche Zeugnis der Stadtgeschichte. Albrecht II. erweitert 1293 die Stadtrechte. Die Urkunde soll im Original gezeigt werden, was hohe Anforderungen an die Technik bedeutet.

Walrippe des Kurfürsten

Friedrich der Weise war vernarrt in Reliquien. Der Inhalt seiner "Heiltumssammlung" ist größtenteils verschollen. Die Walrippe gilt als "Exponat von internationalem SAMMLUNGEN Die Stadt stellt vor, was repräsentativ für ihre Geschichte seit der Frühzeit sein soll. Rang". Sie ist zwar keine Reliquie, soll aber von Friedrich von einer Pilgerreise ins Heilige Land mitgebracht worden sein.

Cranachs Bilder

Luthers und Melanchthons Porträts stehen nicht nur für die Reformation, nicht nur für Cranachs Werke - sie sind auch Stücke aus dem Alten Rathaus Wittenbergs. Melchior Keil hatte sie 1575 der Stadt geschenkt.

Steinportal der Amtsmühle

Es wird wohl die spektakulärste Repräsentation werden. Durch das Renaissance-Portal der kurfürstlichen Amtsmühle werden die Besucher schreiten können. Das Portal symbolisiert die Bereiche Stadtentwicklung und Wirtschaft.

Das Richtschwert

Der Scharfrichter hat es wirklich benutzt. Das Richtschwert aus dem 16. Jahrhundert ist Symbol der Gerichtsbarkeit.

Gemeiner Kasten

Aus der "Sozialkasse" der Stadt konnten um 1522 Handwerker sogar zinslose Kredite bekommen. "Es gab auch sofort eine Missbrauchsdiskussion", sagt Oberbürgermeister Naumann.

Amtskette der Oberbürgermeister

Man kann heute noch sehen, wenn es in Wittenberg feierlich wird. Dann ist der Platz der Kette im Museum leer. Seit 1860 gibt es sie.

Congrevsche Brandrakete

Die einzige erhaltene englische Brandrakete auf deutschem Boden. Sie lag 1813 als Blindgänger nach der Beschießung Wittenbergs in einem Garten.

Patenttreppe

Nord- und Südamerika, Australien: Die Gusseiserne Patenttreppe der Firma "Joly" war ein Kassenschlager, ist Zeugin der Industrialisierung und auf der ganzen Welt zu finden.

Uniform eines Rotfront-Kämpfers

Ein seltenes Stücke aus den 1930ern, weil viele Uniformen während der Nazi-Zeit vernichtet wurden. Sie steht für die Themenbereiche Weimarer Republik und Nationalsozialismus in der Stadt.

Schwerter zu Pflugscharen

Der Amboss, auf dem 1983 das Schwert zur Pflugschar geschmiedet worden ist. Das Schwert selbst gehört Friedrich Schorlemmer und ist in Leipzig ausgestellt.

Riemers Nachlass

Gleich drei Exponate werden auf die Riemersche Sammlung hinweisen: ein Nasenaffe, eine Giraffe und eine Holzfigur aus Papua-Neuguinea. Letztere, der Uli, habe hohen wissenschaftlichen Wert.

Wenig Resonanz aus der Bevölkerung

"16 aus 50" könnte man die Auswahl laut Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) auch nennen. Erstaunlich sei die übereinstimmung von Wissenschaft und öffentlicher Meinung, was die Auswahl der Exponate für den Eingangsbereich angeht. Allerdings sind nur ganze zehn Bürger dem Aufruf gefolgt und haben ihre Favoriten aus den Städtischen Sammlungen genannt. "Das ist enttäuschend", sagt Naumann.
Im Jahr 2015 hofft Sammlungsleiter Andreas Wurda, das komplette Zeughaus mit dem Stadtmuseum belegen zu können. Bis dahin werden Teile des Gebäudes als Depot für Umzüge innerhalb der Stadt genutzt. Bereits im zweiten Quartal 2014 sollen die "Kronjuwelen" einen ersten Eindruck vermitteln, was in den Depots im alten Gesundheitsamt, im Alten Rathaus und in Seegrehna noch alles schlummert.

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Kronjuwelen gesucht

Besondere Exponate sollen Wittenbergs Streiflichter illustrieren

Unter dieser überschrift veröffentlichte der Wochenspiegel am 22.05.2013 folgenden Artikel:

Wittenberg (wg). Anfang 2014 wird im Erdgeschoss des Zeughauses der erste Teil der Ausstellung zur Stadtgeschichte eröffnet, zentraler Bestandteil sind die sogenannten Kronjuwelen: Damit sind Exponate gemeint, welche die Streiflichter durch die Geschichte der Stadt in besonderer Weise illustrieren. "Es geht um die besten Stücke aus unseren Städtischen Sammlungen, sie sollen beim Besucher Appetit auf mehr wecken", sagt Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD). "Die Auswahl der Kronjuwelen wollen wir nicht einer Agentur überlassen, vielmehr sollen die Bürger unserer Stadt entscheiden." Andreas Wurda, Leiter der Städtischen Sammlungen, benennt 19 Streiflichter durch die Geschichte, jedem lassen sich besondere Exponate zuordnen.

Bei der Vor- und Frühgeschichte ist dies beispielsweise das germanische Waffengrab aus dem 2. Jahrhundert vor Christus mit Schwert, Schildbuckel und Lanze, das in der Collegienstraße gefunden wurde. Für die Zeit der Askanier (12. bis 15. Jahrhundert) kommt unter anderem die Stadtrechtsurkunde von 1293 in Frage. 1422 übernehmen die Wettiner Sachsen, dieses Streiflicht illustriert die Walrippe aus der Heiltumssammlung von Kurfürst Friedrich dem Weisen.

1502 wird Wittenberg Universitätsstadt, Porträts von Luther und Melanchthon aus der Cranachwerkstatt könnten diesen Abschnitt darstellen. Im 15. und 16. Jahrhundert erfolgt der Ausbau der Stadt, dafür stehen Teile der um 1486 erbauten Elbbrücke. Ein großes Kapitel unter dem Motto "Rat der Stadt - Bürger verwalten ihre Stadt" umfasst den Abschnitt vom 13. bis zum 20. Jahrhundert. Exemplarisch dafür sind das Stadtsiegel in Silber, 1436/37angefertigt, die Stadtordnung von 1504, das Richtschwert aus dem 16. Jahrhundert als Zeichen der Gerichtsbarkeit, die Ordnung des Gemeinen Kastens von 1521 oder die goldene Amtskette des OB von 1860.

Das Kapitel "Wittenberg in den Kriegen" umfasst den Zeitraum vom 15. bis zum 20. Jahrhundert, dafür stehen Exponate wie das Gemälde von König Gustav Adolf von Schweden oder die Gedächtnistafel für die Gefallenen der ersten Kompanie des Wittenberger Infanterieregiments Graf Tauentzien in Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Die gusseiserne Patenttreppe, produziert im Eisenwerk Joly, illustriert die Industrialisierung der Stadt. Für die Weimarer Republik schlägt Wurda die Armbinde der Stadtwehr von 1919 oder die Fahne des Arbeiter Samariter Bundes von 1925 vor.

Weitere Streiflichter sind die Zeit des Dritten Reiches (Uniform des Rotfrontkämpferbundes), die Sowjetische Besatzungszone (Fotos von Kriegsschäden, Bunkersprengungen und Wiederaufbau), die DDR (Produkte von Wittenberger Firmen; Schwerter zu Pflugscharen im Lutherhof 1983), die Wendezeit (Aufruf "Auf der Suche nach Erneuerung" vom 19.9.1989) sowie die Zeit ab 1990.

Den naturkundlichen Teil der Riemer Sammlung können unter anderem die Primaten, das überaus wertvolle Skelett der Stellerschen Sehkuh oder Hals und Kopf einer Giraffe repräsentieren. Für den völkerkundlichen Teil der Sammlung schlägt Wurda unter anderem den kostbaren Häuptlingssitz aus Afrika, Speere aus Ozeanien sowie die ozeanische Kultfigur Uli vor.

Info:

Vorschläge können bis zum 31. Mai eingereicht werden bei der Stadtverwaltung, Lutherstraße 56, Pressesprecherin Karina Austermann, EMail unter Karina.Austermann@wittenberg.de

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Leben im Interim

Städtische Sammlungen haben das Schloss komplett verlassen
Gute Bedingungen für Archivnutzer im ehemaligen Gesundheitsamt.

Unter dieser überschrift veröffentlichte der Super Sonntag am 28.04.2013 folgenden Artikel:

Wittenberg (wg). Alles ist raus: Mehr als 3.000 Quadratmeter bis unter die Decke gestapeltes Sammlungsgut haben das Schloss verlassen, verteilt auf drei Standorte - das ehemalige Gesundheitsamt in der Wallstraße, der Westflügel im Erdgeschoss des Alten Rathauses und das Depot in der Puschkinstraße. "Die Verteilung des Sammlungsgutes auf die einzelnen Standorte erfolgte nach konservatorischen und sachlichen Gründen", berichtet Andreas Wurde, Leiter der Städtischen Sammlungen. Im ehemaligen Gesundheitsamt stehen 1.400 Quadratmeter zur Verfügung, das Objekt wurde provisorisch hergerichtet. Unter anderem musste die Statik erheblich ertüchtigt werden, damit die Fußböden nicht unter der Last des schweren Sammlungsgutes zusammenbrechen.

Ratsarchiv

OB Eckhard Naumann (l.) und Andreas Wurda, Leiter der Städtischen Sammlungen, in der Ratsbibliothek, die sich derzeit im ehemaligen Gesundheitsamt befindet.

Für jeden Raum gibt es ein eigenes Klimagutachten, Be- und Entfeuchter sorgen für die Balance der Luftfeuchtigkeit. "Wir haben selbst die alten Toiletten herrichten lassen, um dort Akten lagern zu können", so Wurda. Allein das Ratsarchiv umfasst rund 2.000 laufende Meter, das Fotoarchiv mehr als 40.000 Bilder. Nicht minder eindrucksvoll ist die Ratsbibliothek, die als Bibliothek der Verwaltung angelegt worden war. Sie enthält ein Buch von 1719, in dem erläutert wird, wie man während eines Gerichtsprozesses Hexen erkennen kann. Alle Rechnungen seit 1410 sind erhalten: "Das ist einmalig in Mitteldeutschland und wir führen diese Tradition selbstverständlich fort", sagt Wurda. Im Keller stößt der Besucher auf das kleine Denkmal, das vor dem KTC "Maxim Gorki" stand und kurz nach 1990 in den Städtischen Sammlungen eingelagert wurde, weil es im Bestand gefährdet war.

"Die Interimslösung kann sich sehen lassen", findet Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) beim Rundgang durch das ehemalige Gesundheitsamt. Der Auszug aus dem Schloss sei sachgemäß und professionell durchgeführt worden, zudem ein enormer Kraftakt gewesen. Für die Nutzer des Archivs haben sich die Bedingungen gegenüber dem Schloss sogar verbessert, wenn auch während des Interims nicht alle Archivalien verfügbar sein können. Zusätzlich zu den regulären öffnungszeiten bekommen Wissenschaftler von außerhalb Extra-Termine. Außerdem beantworten die Mitarbeiter der Städtischen Sammlungen rund 1.400 Anfragen im Jahr. "Zu unseren Aufgaben gehören die Sammlungen, die Präsentation sowie das Rats- und Endarchiv als kommunale Pflichtaufgabe", erläutert Wurda.

Das ehemalige Gesundheitsamt und die beiden anderen Standorte stellten nur eine Interimslösung dar, deshalb habe man etliches Sammlungsgut eingepackt gelassen in speziellen, atmungsaktiven Folien. Sobald die Häuser in der Juristenstraße am Arsenalplatz rekonstruiert sind, zieht dort das Ratsarchiv mit seinen Mitarbeitern ein. Die Präsentation der Exponate wird sich künftig auf das Zeughaus auf dem Arsenalplatz konzentrieren, dorthin zieht zunächst die wertvolle Bibliothek des Predigerseminars: "Die Differenzen zwischen Kirche und Land scheinen beigelegt zu sein", informiert Naumann. Deshalb habe man die Ausschreibungen für die Baumaßnahmen am und im Schloss zeitweilig unterbrochen, diese inzwischen aber wieder aufgenommen. "Ich gehe von einem Baubeginn im Juli 2013 aus", erklärt Naumann.

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Angekommen

MUSEUM Der Umzug in die drei provisorischen Depots ist abgeschlossen, das Schloss jetzt frei für den Umbau.

Unter dieser überschrift veröffentlichte die Mitteldeutsche Zeitung am 27.04.2013 folgenden Artikel von Irina Steinmann:

WITTENBERG/MZ - "Kopf" steht da, wo wahrscheinlich der Kopf ist, man kann nicht reinsehen, man muss das glauben. "Das sind die Mumien", sagt Andreas Wurda und seine Gäste treten jetzt etwas näher heran die beiden schlichten grauen Spezialkisten im Obergeschoss. Ein paar Meter entfernt lagern die Speere, Dutzende offenbar und jeder für sich sorgsam ummantelt mit Folie. Beim Einpacken, sagt Wurda, habe man große Vorsicht walten lassen - wer weiß, ob nicht noch Gift dran war am Gerät längst verstorbener Jäger ferner Länder...

Ortstermin im alten Gesundheitsamt, dem größten der drei Depots, wo die Stadt nach dem Auszug des Museums aus dem Schloss ihre Zeugnisse aus vielen Jahrhunderten Stadtgeschichte und die Früchte der Sammelleidenschaft eines Einzelnen, Julius Riemer, vorübergehend aufbewahrt. Auf 1 400 Quadratmetern lagert hier, fachgerecht verpackt, klimatisiert und gegen unbefugten Zugriff geschützt, das Gros des Sammlungsguts, für dessen Umfang die Maßeinheit 3 000 Quadratmeter gilt.

Mehr Zeit, nicht mehr Geld

Im Sommer vergangenen Jahres hatte der Umzug begonnen, mehrfach war es zu Verzögerungen gekommen, aber nun melden die Verantwortlichen Vollzug. Das Schloss ist leer, die Depots haben sich gefüllt. Und, sagt Wurda, "der Umzug ist im Kostenrahmen geblieben". Für Zeitverzug hatte unter anderem die mühlselige Suche nach einem dritten Depot - neben "Gesundheitsamt" und Altem Rathaus - gesorgt, schließlich fand man ein Objekt in der Puschkinstraße, wo 650 Quadratmeter als "Interim" zur Verfügung stehen.

Ein halbes Dutzend Restauratoren und Präparatoren haben den Museumsmitarbeitern in den vergangenen Monaten zur Seite gestanden. Je nach Material, Alter und Verwendungszweck der Stücke (Depot? Ausstellung?) waren Kenntnisse von Verpackungskünstlern gefragt. Im früheren Gesundheitsamt gibt es jetzt Aktenzimmer und Tresorräume, solche für Kisten voller archäologischer Funde sowie Räume mit Objekten und Literatur, die rasch zugänglich sein muss, nämlich zur Gestaltung der neuen Dauerausstellung im Zeughaus, und solchen, die über längere, ja, lange Zeit verpackt bleiben werden. Die Ratsbibliothek hat im Obergeschoss im Büro von Wurda, dem Leiter der Städtischen Sammlungen, Platz gefunden, vielleicht war es aber auch umgekehrt. Bis ins 16. Jahrhundert reicht dieser Teil des Bestandes zurück, Lederrücken neben Lederrücken, Bücher bildeten die Grundlage der Verwaltungstätigkeit, darunter auch solche mit zwielichtigem Titel: "Wie man Hexen erkennt", heißt etwa ein Werk von 1719, da ging es eigentlich schon auf die Aufklärung zu... 2 000 laufende Meter umfassen die Akten jüngeren Datums, allein durch die Auflösung der Strukturförderungsgesellschaft sind laut Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) etwa 80 Meter hinzugekommen. Zum Gedächtnis der Stadt gehören auch "fast alle Rechnungen" (Wurda) seit 1410, ein Bestand, der seinesgleichen suche in Mitteldeutschland, und 40 000 Fotos, die ältesten sind von 1856. Bis zum Umzug des Ratsarchivs in die Juristenstraße, wo derzeit ein Altbau saniert wird, bleibt das "Gesundheitsamt" auch Anlaufstelle für alle Hobbyforscher und Wissenschaftler, die hier, so Naumann, sogar bessere Arbeitsbedingungen vorfänden als im Schloss, freilich bei eingeschränktem Bestand.

Regelmäßige Untersuchungen

Besagte Mumien, und hier schließt sich der Kreis zum "Gesundheitsamt", sollen übrigens regelmäßig untersucht werden, so Wurda. Zweimal pro Jahr würden sie dem Präparator vorgestellt.

SCHLOSS

Land in Sicht

Der ins Stocken geratene Um-und Neubau vom Schloss kommt jetzt offenbar in Gang. "Die zeitweilige Unterbrechung der Arbeiten ist aufgehoben", die Ausschreibungen liefen wieder und er rechne nun für Juli mit einem Beginn der Bauarbeiten, so Oberbürgermeister Naumann. Grund für die Verzögerung waren wie berichtet Unstimmigkeiten zwischen Land und Kirche, die jetzt unmittelbar vor der Einigung stünden. Bezüglich des umstrittenen neuen Südflügels kündigte der Oberbürgermeister regelmäßige Konsultationen mit den Denkmalschützern von Icomos an. "Wir wollen Diskussionen wie in Potsdam oder Dresden vermeiden."

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Vielfalt ist auch eine Chance

RIEMER: Ethnologe plädiert für Nebeneinander von Völker- und Naturkunde.

Unter dieser überschrift veröffentlichte die Mitteldeutsche Zeitung am 15.04.2013 folgenden Artikel von Markus Wagner:

Wittenberg (MZ).Von wegen Sammelsurium. Das Nebeneinander von Völker- und Naturkunde in einem Museum hat durchaus seine Berechtigung. Der Ethnologe Nils Seethaler hat den nur scheinbar willkürlich zusammengetragenen Fundus des Riemer-Museums mit anderen Museen in Europa verglichen - und kommt zum Schluss, dass sich beide Forschungszweige durchaus befruchten können.

Eine Art Wunderkammer

"Das Riemer-Museum könnte eine Wunderkammer des 21. Jahrhunderts sein", sagt Seethaler, der am Freitagabend im Kirchlichen Forschungsheim über "Potentiale einer besonderen Sammlungsform" referierte. Dass sich ein Sammler gleichzeitig für Natur- und Völkerkunde engagiert, sei einerseits nicht üblich, andererseits aber auch nicht so außergewöhnlich. Seethaler präsentierte die Ausstellung von vier europäischen Museen und ihre Art, mit beiden Forschungsgebieten umzugehen.

Dabei sei die Trennung von Völker- und Naturkunde eine willkürliche, erläutert Seethaler. Aus der Auflösung der "Wunderkammern", in denen mehr oder weniger wahllos zusammengetragen wurde, was rar oder kurios war, entstanden erst im 19. Jahrhundert die Museen -- und die Trennung von Kultur und Naturgeschichte. "Die Trennung besteht in den meisten Museen weiter", sagt Seethaler - und zeigt mit dem Naturkundemuseum La Rochelle, dem Pitt Rivers Museum in Oxford, dem Bremer überseemuseum und dem Roemer und Pelizäusmuseum Hildesheim, wie es auch zusammen funktioniert.

Rarität Seekuhhaut

Riemers Sammlung müsse den Vergleich zu diesen keineswegs scheuen. "Zoologisch war sie die beste in ganz Deutschland", sagt Seethaler zum Höhepunkt ihrer Geschichte zwischen den Weltkriegen. "Herausragend geschlossen" sei aus heutiger Sicht die Südseesammlung gewesen. Wie man mit Raritäten wie dem Hautstück einer Stellerschen Seekuh - Riemer hatte eins von weltweit drei Stücken ergattert - umgeht, zeigt das überseemuseum: Es hat das Hautstück samt Bild und Schädel als einen Höhepunkt förmlich inszeniert. Gerade das Nebeneinander von Völker- und Naturkunde ließe manche Verbindung zu, so Seethaler. Schließlich ist Kultur auch Produkt ihrer Umwelt. Warum also nicht auf der einen Seite die Tiere präsentieren, die auf der anderen in Bildern eingeflossen sind oder ihr Fell, ihre Feder und die Zähne dafür gelassen haben? "Sammeln ist nicht bloßes Anhäufen", sagt Seethaler, "entscheidend ist das Konzept." Ein Grundkriterium legt er schon fest: So müssten Museen "Orte der Originale" bleiben. Zu viel Technik lenke nur ab. "Regelrecht anrührend" hat Michael Solf vom Freundeskreis Julius Riemer empfunden, "was anderswo möglich ist". Dass in Wittenberg genauso wie in La Rochelle ein Schloss für Riemers Sammlungen freigeräumt wird, ist allerdings unwahrscheinlich.

Diskussion um die Zukunft der Sammlung

Mit Vorträgen und Workshops versucht der Freundeskreis Julius Riemer in der Stadt für die Zukunft der Sammlungen zu werben. Das bislang im Schloss beheimatete Riemer-Museum musste den Umformungen für das Lutherjubiläum 2017 weichen. Eine Diskussion um die Herkunft der Stücke war entbrannt. Vermutungen, Riemer habe sie während der Nazi-Diktatur unlauter erworben, haben sich nicht erhärtet. Allerdings hatte die Stadt zunächst versucht, alle Leihgaben, die bei der Neustrukturierung der Museumslandschaft in der DDR ausgehandelt worden waren, rückgängig zu machen. Derzeit ist die Ausstellung verstaut, über die Art und Weise und den Ort einer zukünftigen Präsentation wird noch diskutiert. Ein Teil soll im Zeughaus gezeigt werden. Der Verein ist unter freundeskreis @riemer-museum.de oder unter 03491/87 78 88 zu erreichen.

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Frischer Wind im Gemäuer

Kronjuwelen, Szenen aus dem Alten Wittenberg und die Welt im Museum.

Unter dieser überschrift veröffentlichte der "Super Sonntag" am 03.03.2013 folgenden Artikel:

Wittenberg (wg)."Das ist eine Etappe auf dem langen Weg zur Neupräsentation der Städtischen Sammlungen im Zeughaus", begrüßte Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) am Mittwochnachmittag zahlreiche interessierte Bürger im großen Hörsaal der Leucorea, auch viele Schüler waren mit ihren Lehrern dabei. Die Stadt sei bislang mit ihrer Geschichte zu kurz gekommen, dieses Defizit ließe sich nun beheben.

Im Rahmen eines Wettbewerbs konnte sich die Leipziger Agentur Kocmoc.net durchsetzen, der wissenschaftliche Beirat wird die Erarbeitung des Ausstellungs-Drehbuches bis zum Schluss begleiten. Das neue Konzept, betonte der OB, sei dem Stadtrat vorzulegen, er habe das abschließende Votum. Das Drehbuch soll bis zum 31. Mai 2013 fertig gestellt sein, die Ausstellung im Erdgeschoss Ende des Jahres eröffnet werden. Die anderen beiden Etagen folgen später, wenn die Bibliothek des Predigerseminars ihren Standort im Schloss gefunden hat. Für die Neugestaltung des Stadtmuseums stehen eine Million Euro zur Verfügung, die Summe teilen sich Land und Stadt je zur Hälfte.

Kocmoc-Geschäftsführer Alexander Fleischmann und der für die inhaltliche Konzeption zuständige Mitarbeiter Jan Wünsche erläuterten ihre Ideen für das Stadtmuseum. Schöne Exponate nur in schönen Vitrinen zur Schau zu stellen, reiche nicht aus, es gehe auch um den sinnvollen Einsatz von Ausstellungsmedien und zeitgemäßen Darstellungsformen. Vor allem aber sollen die Ausstellungsstücke Geschichten erzählen.

Das Erdgeschoss ist für die "Kronjuwelen" der städtischen Sammlungen reserviert, hier finden besondere Exponate wie die Hand der Giftmischerin, das Richtschwert, der Walfischknochen des Kurfürsten oder die historische Bürgermeisterkette ihren Platz.

Die Geschichte der Stadt erzählen

Stadtmodell im Zentrum

"Wer in Wittenberg war, muss das Erdgeschoss des Stadtmuseums besucht haben, berichtete Fleischmann.

Für die verschiedenen Zielgruppen des Museums - Schüler, Einheimische, Touristen, Bildungsbürger - werden je nach Interesse, Zeit und Vorwissen verschiedene Parcours eingerichtet, die nicht nur auf die Obergeschosse, sondern auf alle Sehenswürdigkeiten in der Stadt verweisen - auf den Hans-Lufft-Keller im Arsenal, auf den benachbarten historischen Besucherempfang, auf Stadt- und Schlosskirche, Weberhaus, Haus der Geschichte, Lutherhaus. Im hinteren Teil des Erdgeschosses bieten 150 Quadratmeter Platz für Sonderausstellungen, so dass ständig wechselnde Exponate aus dem großen Fundus gezeigt werden können.

Im Zentrum steht jedoch das große Stadtmodell, das Wittenberg im Jahre 1873 zeigt. Bewegliche Lichtkegel illuminieren Teile des Modells, während über Monitore Kurzfilme laufen. "Auf diese Weise kann man Geschichten der Stadt erzählen", sagt Wünsche, "wie zum Beispiel die Wittenberger Historie anhand ausgewählter Gebäude oder mit Lucas Cranach durch Wittenberg."

Das erste Obergeschoss ist der Stadtgeschichte gewidmet, vorgesehen sind neun Stationen, während das Dachgeschoss unter dem Motto "Die Welt im Museum" Heimstadt der Riemerschen Sammlungen sein wird. Auch hier wird es eine Inszenierung mit besonders wertvollen Exponaten der naturkundlichen und ethnologischen Sammlungen geben. "Die Ausstellung wird einer Schausammlung gleichen, wobei wir auf das historische Mobiliar zurückgreifen wollen", erläuterte Wünsche.

Obwohl jede Etage 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche bietet, wird nicht alles wie bisher gezeigt werden können, etwa die große Primatenausstellung. Dafür wird es im Dachgeschoss mitten in der Sammlung Platz für Museumspädagogik geben: Hier sollen - nicht nur - Kinder unter Anleitung mit originalen Exponaten spielen, lernen und forschen können.

Bürger können ihre Vorschläge im Rathaus einreichen.

Ideenwettbewerb

Zu den besonders erfrischenen Ideen für die Konzeption des neuen Stadtmuseums ist die Präsentation von "Kronjuwelen" im Erdgeschoss des Zeughauses. Doch welchen Objekten kommt ein solcher, immer auch subjektiv gefärbter Status zu? "Das ist eine gute Gelegenheit, dass die Stadtgesellschaft ihre Sichtweisen einbringt", ruft Oberbürgermeister Eckhard Naumann die Bürger auf, ihre Vorschläge zu benennen.Pro Person bitte nur einen Vorschlag abgeben und diesen mit ein paar Sätzen begründen. Per Los werden drei Gewinner ermittelt, die als Anerkennung unter anderem eine Museumscard erhalten. "Wir wollen mit der Ideenfindung einen Dialog zwischen den Bürgern und den Ausstellungsmachern herstellen", betont der OB. Die Präsentation der "Kronjuwelen" ist nicht als starre Ausstellung zu verstehen, sie können auch im Turnus ausgetauscht werden. Vorgeschlagen werden können naturkundliche, ethnologische und stadtgeschichtliche Exponate. Zu den Favoriten des OB gehören das Rechnungsbuch von 1342 und die Gründungsurkunde der Stadt. Aber weil die Stadtgeschichte nicht im 16. Jahrhundert endet, können auch Ereignisse/Exponate der Gegenwart benannt werden, wie zum Beispiel die Aktion "Schwerter zu Pflugscharen" 1983 oder die Wendezeit.

Info

Vorschläge können bis zum 31. Mai 20^13 eingereicht werden bei der Stadtverwaltung Wittenberg, Lutherstraße 56, Pressesprecherin Karina Austermann oder per E-Mail unter Karina.Austermann@wittenberg.de

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Kronjuwelen gratis

STADTMU(SEUM: Ausstellungsmacher stellen Ideen fürs Zeughaus vor

Unter dieser überschrift veröffentlichte die Mitteldeutsche Zeitung am 28.02.2013 folgenden Artikel:

VON IRINA STEINMANN

Wittenberg (wg). Es gibt Konstanten, die zu berücksichtigen sind. Als er zehn Jahre alt war, sagt Jan Wünsche, hatte er in Wittenberg ein "Erweckungserlebnis" - ihn fas-zinierte die Hand der Giftmischerin. Wünsche wurde Museologe. An diesem Nachmittag steht er in der Leucorea und stellt sich den Fragen eines Jungen von heute. Felix fragt nach der Hand der Giftmischerin. Ob man die nicht nachbauen könnte, zum "Forschen für Kinder"? Eine gute Idee, findet Wünsche. Er selbst hat noch viele andere gute Ideen. Auch für die Kinder.

Erster Teil Ende 2013 fertig

Infoveranstaltung zum neuen Stadtmuseum. Die Leipziger Agentur Kocmoc.net hat wie berichtet den Zuschlag zur Ausstellungsgestaltung bekommen, Wünsche ist ihr Mitarbeiter. Ende 2013 soll der erste Teil des Museums im Zeughaus fertig sein. Die Idee ist, im Erdgeschoss einen überblick über die Sammlung zu bieten, einen Schnelldurchlauf für eilige Touristen, 15 bis 20 Minuten, sowie Parcours, die auf verschiedene Interessen zugeschnitten sind. Stets dabei: das Stadtmodell. Freilich nicht so wie es heute dasteht, sondern versehen mit Film- und Tonmaterial, Lichtkegeln, die einzelne Gebäude anstrahlen. "Ich kann mit diesem Modell Geschichten erzählen", ist Alexander Fleischmann, Kocmoc-Geschäftsführer, überzeugt: die gesamte Stadtentwicklung, die Zeit Cranachs, sogar die Gegenwart. Im Erdgeschoss soll das Beste gezeigt werden, was das Museum zu bieten hat, die Hand der Giftmischerin gehört natürlich dazu. Das Anschauen dieser "Kronjuwelen" sollte laut Wünsche kostenlos sein - und Appetit machen auf mehr in den beiden oberen Etagen. Während das erste Obergeschoss der Stadtgeschichte gewidmet werden soll - ebenfalls mit den Optionen "überblick" und Vertiefungen je nach individuellem Gusto, findet unterm Dach die Sammlung Riemer statt. Wünsche verspricht hier einen "grandiosen Auftakt", eine "Inszenierung", die die Sammelleidenschaft Julius Riemers greifbar werden lässt. So könnte das aussehen: Auf einer Art Karussell kreisen einzelne Exponate, von denen aus man den Dingen auf den Grund gehen kann. Schwärme von Fischen und Vögeln hoch über den Köpfen, Schubladen zum Aufziehen und mittendrin einen Raum für Museumspädagogik, in dem wissbegierige Schüler wie Felix und weiland der kleine Jan, sich einzelnen Stücken nähern. Natürlich unter Aufsicht und mit Handschuhen, versichert Wünsche auf Nachfrage eines besorgten Schulleiters, aber durchaus auch mit Originalen. Von anderem wird man Abschied nehmen müssen. "Natürlich zeigen wir Primaten", so Wünsche - aber die komplette Ausstellung dazu aus dem Schloss nicht. Die Frage kommt aus der Bürgerinitiative Julius Riemer, die eine "weitgehende Magazinierung" der Sammlung befürchtet.

Millionending

Dreimal 500 Meter stehen der Stadt im Zeughaus zur Selbstdarstellung zur Verfügung, davon sind 150 Quadratmeter Sonderausstellungsfläche im hinteren Teil des Erdgeschosses. Ende Mai soll laut Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) die Grobplanung stehen und später vom Stadtrat beurteilt werden. Eine Million Euro darf das neue, erste Stadtmuseum kosten. Komplett, versichert Kocmoc.

Umzug dauert an

Noch nicht abgeschlossen ist der Auszug des Museums aus dem Schloss in die Zwischenlager. Als Grund wird das verspätete Zustandekommen der Verträge über das dritte Depot im Westen der Stadt genannt. Umbaumaßnahmen an dem nicht stadteigenen Objekt (Brandschutz, Klima) würden vom Land finanziert, hieß es seitens der Stadtverwaltung.
Fortgesetzt werden soll der Umzug jetzt am 11. März und im April über die Bühne sein; zu verfrachten sind noch Teile der natur- und der völkerkundlichen Sammlung. Eigentlich hatte im Schloss ab Februar, also jetzt, Baufreiheit herrschen sollen. Als Zwischenlager dienen bisher das alte Gesundheitsamt und die Westhalle des Alten Rathauses. (irs)

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